Wirtschaft

Mit einer Bevölkerung von rund 8,8 Millionen (2018) Einwohnern und einer Fläche von nur 20.770 Quadratkilometern (was etwa der Größe Hessens entspricht) ist Israel ein kleines Land. Zwar hat sich die Einwohnerzahl seit der Staatsgründung von 1948 verelffacht, dennoch steckt die Größe auch die wirtschaftlichen Grenzen des Staates ab. Der beschränkte Binnenmarkt und der fast gänzlich fehlende Zugang zu den Märkten in der Region haben von Anbeginn eine Exportorientierung nach Übersee notwendig gemacht. Dies galt zunächst vor allem für landwirtschaftliche Güter, später auch für Produkte der Rüstungs-, Textil- und Kunststoffindustrie und seit knapp 20 Jahren verstärkt für die Hochtechnologieproduktion.

Rahmenbedingungen

Israel war ein wasser- und rohstoffarmes Land. Bis auf die Mineralvorkommen im Toten Meer (Pottasche, Magnesium, Brom) und Ölschiefer in nicht-kommerzieller Menge auf dem Negev-Plateau war das Land immer auf den Import von Rohstoffen, vor allem von fossilen Brennstoffen, aber auch Chemikalien, Fahrzeugen, Maschinen und anderen Investitionsgütern angewiesen. Die 2011 erschlossenen Erdgasfunde vor der Küste haben Israels energiepolitische Lage nachhaltig verändert.

Da die Warenausfuhr den Import nicht decken konnte, mussten andere Finanzierungsquellen für den Importüberschuss gefunden werden. Seit der Staatsgründung waren es Spenden, vor allem aber Darlehen der jüdischen Diaspora, die teilweise Abhilfe schufen. Auch die Reparationsleistungen der Bundesrepublik Deutschland, die bis 1965 Warenlieferungen im Wert von drei Milliarden DM umfassten, waren von beträchtlicher Bedeutung. Seit Anfang der siebziger Jahre ist die Finanzhilfe durch die USA die wichtigste Quelle ausländischer Zahlungen. Bis 1985 handelte es sich um rückzahlbare Darlehen. Seitdem bezuschussten die USA den israelischen Verteidigungshaushalt mit 1,8 Milliarden US-Dollar, die aber für Rüstungskäufe in den USA verwendet werden mussten. Im Zuge des Irakkrieges 2003 und des US-Antiterrorkampfes erhielt Israel zusätzliche Gelder zum Erwerb von US-Spezialausrüstung. Damit kommt die amerikanische Finanzhilfe nur noch auf etwa zwei Prozent des israelischen Bruttoinlandsprodukts (BIP). Die positive Wirtschaftsentwicklung des letzten Jahrzehnts hat insgesamt dazu geführt, dass die Fremdfinanzierung des Handelsbilanzdefizits von knapp zehn Prozent zu Beginn der Periode auf unter vier Prozent gesenkt werden konnte.

Die israelische Wirtschaft war durch den ständigen Zustrom von Einwandernden gezwungen, wirtschaftliche Wachstumsraten zu erreichen, die weit über den in anderen, westlichen Ländern üblichen lagen. In den vergangenen 12 Jahren nahm die Bevölkerung durch Einwanderung mehr als 20 Prozent zu. Die Integration dieser Menschen unterschiedlichster Herkunft und kultureller, politischer und demokratischer Erfahrungen stellte eine immense volkswirtschaftliche Aufgabe dar.

Bei einem Bevölkerungswachstum von 1,5 Prozent (2017) konnte man eine Wirtschaftswachstumsrate von 3,1 Prozent (2017) sehen. In den erfolgreichen neunziger Jahren betrugen sie nicht selten fünf und mehr Prozent (2007: 5,3 Prozent).

Entwicklung bis 1985

Die Geschichte der israelischen Wirtschaft beginnt mit der ersten Einwanderungswelle in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts. Wesentlichen Auftrieb erhielt sie vor und zwischen den Weltkriegen, zu einem Zeitpunkt, als erste vorstaatliche Wirtschafts- und Sozialstrukturen entstanden. Kollektive, kooperative und gemeinschaftliche Unternehmen und Einrichtungen spielten entsprechend der sozialistisch-zionistischen Ideologie eine große Rolle. Damals wurden die Weichen für eine stark interventionistische Wirtschaftsstruktur gestellt.

Bis Mitte der dreißiger Jahre waren jüdische und arabische Wirtschaftsstrukturen miteinander verknüpft; erst der arabische Aufruf zum Boykott der jüdischen Wirtschaft von 1936 zwang den Jischuv, eigenständige Strukturen zu entwickeln.

In den ersten vier Jahren nach der Staatsgründung verdreifachte sich Israels Bevölkerung durch die Einwanderung aus Europa und den arabischen Staaten. Zur Verhinderung einer Massenarmut war die Regierung gezwungen, Lebensmittel und andere Güter zu rationieren und scharfe Devisenbeschränkungen einzuführen.

Bis 1967 wuchs die Wirtschaft um jährlich 5,5 Prozent, in den Jahren nach dem Sechs-Tage-Krieg sogar um zwölf Prozent. Nach dem Jom-Kippur-Krieg 1973 und der internationalen Ölkrise sank das BIP auf unter vier Prozent, während die Preise um 44 Prozent stiegen. Die Steuerlast kletterte auf 38 Prozent.

Die Liberalisierungsversuche nach dem Regierungswechsel von der Arbeitspartei zum Likud im Jahr 1977 führten zu geringen Wachstumsraten, einem steilen Anstieg des Privatkonsums und der Regierungsverschuldung sowie einer galoppierenden Inflation, die 1983 die 400-Prozent-Marke überschritt. Dies hatte den Zusammenbruch der Börse und des Bankwesens, welches nur durch eine Übernahme seitens der Regierung gerettet werden konnte, zur Folge.

Stabilisierungsprogramm

Die Regierung der Nationalen Einheit, der beide großen Parteien angehörten, verabschiedete 1985 ein Wirtschaftsstabilisierungsprogramm, das eine Währungsreform, die Abwertung des Schekel, der israelischen Währungseinheit, und eine Kürzung der Subventionen vornahm. Es wurde von einer konzertierten Aktion der Regierung, der Arbeitgeberverbände und der Histadrut flankiert, die einen Preisstopp, die Senkung der Reallöhne und eine restriktive Haushaltspolitik beinhaltete. Es war dieses Stabilisierungsprogramm, das die Weichen für die wirtschaftlichen Leistungen des Landes in den kommenden zwei Jahrzehnten stellte. Die Inflationsrate konnte bereits 1987 auf 20 Prozent gedrückt werden, der Anteil der Staatsausgaben am BIP ging zurück, das volkswirtschaftliche Volumen wuchs bis 1994 um reale 59 Prozent.

 

Privatisierung

In den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten fand in Israel ein kontinuierlicher Privatisierungsprozess statt. Er begann Ende der 1970er Jahre, gewann aber vor allem in den folgenden zwei Jahrzehnten an Schwungkraft. Das 1985 verfasste Wirtschaftsstabilisierungsprogramm zielte in erster Linie darauf ab, Israel zu einer freien Marktwirtschaft werden zu lassen. Das schloss die Privatisierung staatlicher Unternehmen ein, um wirtschaftlichen Wettbewerb zu fördern und das Haushaltsdefizit zu finanzieren.

Wird ein Unternehmen zur Privatisierung freigegeben, so muss zuerst Wettbewerb geschaffen werden, bevor der Verkauf stattfinden kann. Der Grund ist einleuchtend: Wird ein Monopol-Unternehmen als Ganzes veräußert, bleibt es ein Monopol und würde nur den Besitzer wechseln, was weder für den Markt, noch für die Verbraucher von Vorteil wäre. Erst nach der Zulassung und Etablierung von Mitbewerbern wurden also die regierungseigenen Unternehmen privatisiert.

Die bislang bedeutendste und symbolträchtigste Privatisierung war die der größten Bank Israels, der Bank Hapoalim (Bank für Gemeinwirtschaft). Sie schlug allein im Haushaltsjahr 2000 mit 579 Millionen US-Dollar zu Buche. Der für das Geldinstitut vereinbarte Gesamtpreis belief sich auf 1,4 Milliarden US-Dollar. Die Bank Hapoalim war ein überaus erfolgreiches Werkzeug bei der Umsetzung wirtschaftlicher Ziele von Regierung und Arbeiterbewegung. Da sie direkt oder indirekt über 770 Unternehmen kontrollierte, 35 Prozent aller Geschäftskredite vergab und eine zentrale Rolle an den Tel Aviver Finanzmärkten einnahm, war ihre Privatisierung ein Meilenstein auf Israels Weg zur De-Ideologisierung seiner Wirtschaft. Im Jahr 2000 erzielte die Regierung durch den Verkauf von Unternehmensanteilen insgesamt fast 700 Millionen US-Dollar.

Liberalisierung

Die Liberalisierung der Wirtschaft begann bereits 1962, aber erst Ende der 1970er Jahre und vor allem nach 1985 wurde sie mehr und mehr den Kräften des Weltmarktes ausgesetzt. 1998 hatten die Importzölle mit acht bis zwölf Prozent erstmals das Niveau entwickelter Industrienationen erreicht. Noch ein Jahrzehnt zuvor lagen sie bei 40 Prozent.

Subventionen existieren nur noch im öffentlichen Verkehr und in der Landwirtschaft. Der Wettbewerb wird schrittweise im Bereich der Telekommunikation, der Stromerzeugung und -verteilung, der Hafenbetriebe, des Kraftstoffmarkts und des öffentlichen Verkehrs eingeführt. Auch der bis 1985 staatlich kontrollierte Kapitalmarkt wurde liberalisiert. Die Regierung übt jedoch nach wie vor erheblichen Einfluss auf die Geldströme aus, indem sie Industrieansiedlungen nach ordnungspolitischen Kriterien bezuschusst, staatlich subventionierte Hypothekendarlehen gewährt und durch ihre Boden- und Kreditpolitik die Nachfrage nach Wohnungen, die Erschließung von Bauland und die Konjunktur der Baubranche insgesamt bestimmt. Seit 1985 war es der Regierung allerdings nicht mehr gestattet, Anleihen bei der Zentralbank aufzunehmen; zur Finanzierung ihrer Schulden muss sie stattdessen im Inland sowie in den USA, in Europa und dem Fernen Osten Pfandbriefe und Staatsobligationen ausgeben.

1990er Jahre

Die einst hauptsächlich auf Landwirtschaft, Leichtindustrie und arbeitsintensiver Produktion basierende traditionelle Ökonomie entwickelte sich in Israel zu einer "wissensbasierten" Wirtschaft mit international wettbewerbsfähigen Telekommunikations-, Hightech- und Agrartechnologie-Industrien.

Die makroökonomischen Bedingungen haben sich dabei in den vergangenen 20 bis 30 Jahren bemerkenswert gewandelt: Das Pro-Kopf-BIP steigerte sich enorm von 12.335 US-Dollar (1990) auf geschätzte 39.974 US-Dollar (2017). Im Jahr 2017 betrug das BIP 348 Milliarden US-Dollar und entsprach damit in etwa der Größenordnung Südafrikas oder Hongkongs.

Die Bevölkerung wuchs vor allem infolge der großen Einwanderungswelle aus den Republiken der ehemaligen Sowjetunion von 4,7 Millionen auf mittlerweile 8,7 (2017) Millionen Menschen. Trotz des auch dadurch verursachten rapiden Anstiegs des Arbeitskräfteangebots sank die Arbeitslosenrate von elf Prozent 1992 auf unter neun Prozent im Jahr 2000. Nach einem erneuten Anstieg zu Beginn des 21. Jahrhunderts, verursacht durch die Konjunkturschwäche infolge der andauernden Spannungen mit den Palästinensern und durch die Weltwirtschaftssituation, sank die Arbeitslosenrate 2017 wieder auf 4,3 Prozent.

 

Ausländische Investitionen

Das Kapital ausländischer Investoren begann meist in Form von Direktinvestitionen verstärkt Mitte der 1990er Jahre ins Land zu fließen. Nach einem vorläufigen Rekord der ausländischen Investitionen im Jahr 2000 von 11,7 Milliarden US-Dollar, verursachten in den folgenden Jahre die angespannte Sicherheitslage in Israel und die Einbrüche der Weltmärkte zunächst einen drastischen Rückgang auf unter vier Milliarden US-Dollar (2002). Mittlerweile erreichen die ausländischen Investitionen jedoch neue Spitzenwerte, wobei insbesondere das Jahr 2006 mit 25,1 Milliarden US-Dollar als herausragend gilt. 2016 lag die Summe der ausländischen Gesamtinvestitionen in Israel bei 17,9 Milliarden US-Dollar, das entsprach einem Anteil von 5,6 Prozent am Bruttoinlandsprodukt.

Dabei interessieren sich ausländische Investoren aus Europa, den USA und dem Fernen Osten in erster Linie für Israels Hightech-Industrie. So betrifft der Großteil aller ausländischen Übernahmen in der Industrie Hochtechnologie-Unternehmen. 

 

Konjunkturmotor Hightech

Israels führende Rolle im Hightech-Bereich ist in erster Linie der zivilen Nutzung militär- und rüstungstechnischer Entwicklung zu verdanken. Das Land konnte seinen militärischen Widersachern nie mit Überlegenheit an Masse oder Mitteln begegnen. Deshalb kam es auf höhere Zielgenauigkeit, modernste Radartechnologie, innovative Verschlüsselungsalgorithmen, superschnelle Datenanalyse, und hervorragende Bilderkennungssoftware an. Dabei wurde von Anbeginn die eigene Entwicklung dieser Technologien betrieben, um von Rüstungslieferbeschränkungen oder Boykotts möglichst unberührt bleiben zu können.

Mit der Veränderung der geopolitischen Situation nach Ende des Ost-West-Konflikts konnte sich Israel erstmals eine Kürzung des Verteidigungshaushalts sowie eine Reduzierung der Truppenstärke leisten und entließ unter anderem Hunderte der besten Ingenieure und Softwareexperten. Viele von ihnen gründeten eigene Hightech-Unternehmen, in denen sie für das Militär entwickelte Technologien in zivilen Produkten erfolgreich zum Einsatz brachten. Die israelische Regierung förderte Hightech-Firmengründungen in großem Ausmaß.

Bildung und Forschung haben in Israel großen Stellenwert. 65 Prozent der Schülerinnen und Schüler machen Abitur, die Zahl der Studierenden beträgt knapp eine Viertelmillion. Mit einem Akademikeranteil von 29 Prozent an der Gesamtbevölkerung gehört Israel zur Weltspitze. Eine enge Kooperation zwischen Regierung, Universitäten und Industrie sorgt noch während der Studienzeit für erste Kontakte zwischen Studenten und Hightech-Unternehmen.

Erst das Zusammentreffen dieser vier Faktoren - militärische Notwendigkeiten, Einwanderung, Politik und Bildung - haben in Verbindung mit zahlreichen Firmengründungen die rasante Hightech-Entwicklung Israels ermöglicht. 1991 machten Hightech-Produkte bereits 23 Prozent des israelischen Exports aus. 2016 waren es etwa 49 Prozent aller Industrieausfuhren (exkl. Diamanten). Die international führenden Hightech-Konzerne haben Israel als Quelle technologischer Innovationen erkannt. Während ihre Investitionen noch 1992 bei nur 340 Millionen Euro lagen, erreichten sie 2006 mit elf Milliarden US-Dollar das 32-fache. 

Der Branchenboom hatte zur Gründung hunderter kleiner Unternehmen geführt. Aber während der Jahre der zweiten Intifada und der hartnäckigen Krise der Hightech-Notierungen an den Weltmärkten schrumpfte auch die Branche in Israel erheblich. Dies hatte Unternehmenszusammenführungen, eine mittelfristige Straffung und letztendlich Konsolidierung zur Folge. Die israelische Steuerpolitik wirkt sich hemmend auf die Weiterentwicklung der Branche aus: Erst eine Reform, die den Nachwuchsfachkräften von heute verlockende, mit denen in Kalifornien vergleichbare, Einkommensmöglichkeiten bietet, wird die Attraktivität des Silicon-Wadi erhalten. Die neuen Wachstumsfelder Medizintechnik und Biotechnologie erfordern Entwicklungszeiten und Genehmigungsverfahren, die ein Stehvermögen voraussetzen, wie es immer mehr israelische Unternehmen an den Tag legen. Während Israel jedoch im Bereich der Medizintechnik bereits zu den Weltmarktführern gehört, ist die Biotechnologiebranche noch ausbaufähig.

Gerade auch deutschen Unternehmen bieten sich interessante Kooperationen an. Weil den Israelis der Zugang zu europäischen Märkten noch schwer fällt, suchen sie lokale Partner mit Marketing-, Unterstützungs- und Produktionsmöglichkeiten. Weitere Anreize für Kooperationen liegen darin, dass Israel als einziges Nicht-EU-Mitglied an von der EU geförderten Rahmenprogrammen für Forschungs- und Entwicklungsprojekte beteiligt ist.

 

Israel ist in Hinblick auf internationalen Handel eine offene Volkswirtschaft: Ein- und Ausfuhren machten 1990 bereits 80 Prozent des BIP aus. Im Jahr 2016 betrug die israelische Außenhandelsquote 39,8 Prozent. Erstmals in seiner Geschichte erzielte der Staat Israel im Jahr 2006 einen Handelsüberschuss. Im Jahr 2017 lag das Defizit des Warenhandels bei knapp 2,0 Milliarden US-Dollar.

 

Export und Bankensystem

Auch die Strukturen des israelischen Exports haben sich im vergangenen Jahrzehnt wesentlich geändert. 90 Prozent des gesamten Exportanstiegs entstammten den Hightech-Industrien. Während der Export von Orangen und Software zu Beginn der 1990er Jahre mit je 300 Millionen Dollar gleich groß war, sank das Volumen für Zitrusfrüchte bis zum Jahr 2007 um etwa zwei Drittel, der Softwareexport hingegen hatte sich mit fast vier Milliarden Dollar mehr als verzwölffacht.

Die Währungsreserven Israels betrugen im Jahr 2016 95,8 Milliarden US-Dollar. Das israelische Bankensystem ist nach dem Zusammenbruch von 1983 solide und konservativ. Die israelischen Banken blieben von den Finanzkrisen Mitte der 1990er Jahre in Südostasien, Russland, Lateinamerika und den Hedgefonds (Kurssicherungsfonds) unberührt, da sie sich an diesen Wachstumsmärkten nicht engagiert hatten und daher auch keine Verluste verbuchen mussten.

 

Staatshaushalt

Die Inflation, die die israelische Wirtschaft seit Anfang der 1960er Jahre geplagt hatte, konnte in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre auf einstelliges Niveau gedrückt werden und erreichte 2000 null Prozent. 2007 lag sie bei 3,4 Prozent, für 2017 lag sie wieder bei 0,2 Prozent.

Das 1991 in Kraft getretene Gesetz zur Haushaltsdefizitreduzierung setzt den jährlichen Prozentsatz des Defizits im Verhältnis zum Inlandsprodukt fest und sichert so ein verantwortungsvolles Wirtschaftsverhalten der Regierung. Das Haushaltsdefizit betrug, nachdem es während der letzten blutigen Auseinandersetzungen mit den Palästinensern von beinahe null erneut auf über fünf Prozent des BIP gestiegen war, im Jahr 2017 nur noch 3,2 Prozent. Die unerwarteten Kosten im Zuge des Libanon-Krieges konnten vor allem durch höhere Staatseinnahmen aufgefangen werden. Mit einer Verschuldung von 62,7 Prozent (2017) nähert sich Israel den 60 Prozent, die der Vertrag von Maastricht als Richtwert nennt.

 

Geldpolitik

Die Geldpolitik wird von der Nationalbank (Bank of Israel) festgelegt. Das Inflationsziel bestimmt die Regierung nach Beratungen mit der Nationalbank, wobei diese ihre 1985 erlangte, instrumentale Unabhängigkeit wahrt. Seit dem Jahr 2003 hat die israelische Regierung die in westlichen Industrienationen übliche Preisstabilitätsdefinition von jährlich null bis drei Prozent übernommen.

Im September 2000 wurden zwei Maßnahmen zur Erreichung voller Konvertibilität des Schekels getroffen: Erstens wurde Versicherungen und Rentenfonds gestattet, bis zu fünf Prozent ihres Wertes an internationalen Finanzmärkten anzulegen. Zweitens durften israelische Einwohner Devisentermingeschäfte mit Ausländern für länger als 30 Tage vornehmen. Die Nationalbank setzt monatlich den Nominalzinssatz fest, um die Erreichung des von der Regierung gesetzten Inflationsziels zu garantieren.

 

Außenwirtschaft

Als kleines Land mit nur begrenztem Binnenmarkt ist Israel in hohem Maße vom Außenhandel abhängig. Um das notwendige Wirtschaftswachstum zu garantieren und notwendige Einfuhren zu decken, war von Anbeginn der Export von größter Bedeutung. Die israelische Außenhandelspolitik setzt daher seit Mitte der 1980er Jahre auf wachsende Handelsfreiheit, um den Wettbewerb am Binnenmarkt und die Produktivität der eigenen Industrie zu erhöhen.

Israel ist Mitglied in der Welthandelsorganisation (WTO) und hat Freihandelsabkommen mit seinen wichtigsten Handelspartnern, den USA und der EU, mit den EFTA-Staaten, mit Kanada, Mexiko sowie der Türkei. Auch mit China, den meisten Staaten der ehemaligen Sowjetunion und Kroatien, die nicht der WTO angehören, bestehen Abkommen über Meistbegünstigung in den Handelsbeziehungen. Ein solches wurde auch mit Jordanien abgeschlossen. Das geopolitische Umfeld verhinderte den Handel zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn fast vollständig. Darüber hinaus ließen das große Entwicklungsgefälle und die unterschiedlichen Produktionsstrukturen zwischen Israel und seinen Nachbarstaaten Europa und die USA zu den wichtigsten Handelspartnern des Landes werden. So kamen im Jahr 2017 35 Prozent aller Warenimporte aus der EU, weitere 15 Prozent aus den USA, während 35 Prozent aller Warenexporte in die EU und 25 Prozent in die USA flossen.

Der Außenhandel war insgesamt im Vergleich zum Vorjahr um 16,5 Prozent gestiegen, wobei die Ausfuhr mit 1,6 Prozent etwas weniger expandierte als die Einfuhr mit 4,5 Prozent. Der gesamte Warenexport lag im Jahr 2016 bei 60,6 Milliarden US-Dollar, während die Warenimporte 65,8 Milliarden US-Dollar erreichten. Deutschland war jahrzehntelang Israels zweitwichtigster Handelspartner (exkl. Diamanten) nach den Vereinigten Staaten, wobei im Jahr 2016 die Exporte in die Bundesrepublik mit 1,5 Milliarden US-Dollar weit hinter den Importen von knapp 3,8 Milliarden zurückblieben.

Arbeitsmarktsituation

Als rohstoffarmes Land ist das Humankapital Israels Katalysator für wirtschaftliches Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit. Im Jahr 2014 verfügten 49 Prozent der Berufstätigen über einen Universitätsabschluss. Mehr als 76 Prozent der Beschäftigten hatten 16 Ausbildungsjahre absolviert. Dies zeigt deutlich den Anstieg beruflicher Qualifikation.

Das hohe Wirtschaftswachstum der vergangenen Jahre wirkte sich positiv auf die Beschäftigung aus. So ging die Arbeitslosigkeit im Jahr 2017 im Vergleich zum Jahr 2007 von 7,3 Prozent auf 4,3 Prozent zurück. Der Prozentsatz der Arbeitskräfte an der Bevölkerung ab dem Alter von 15 Jahren lag im Jahr 2016 bei 61,2 Prozent. Dies ist im Vergleich zu anderen Industrienationen jedoch immer noch relativ niedrig. Frauen waren im Jahr 2015 zu 59 Prozent berufstätig. Vor allem unter den israelischen Arabern und der jüdisch-orthodoxen Bevölkerung ist die Teilnahme am Arbeitsmarkt insgesamt und besonders der Frauenanteil sehr niedrig.

Bis zum Ausbruch der zweiten Intifada waren 46 Prozent der ausländischen Arbeitskräfte Palästinenser. Diese haben nun nicht mehr die Möglichkeit, in Israel zu arbeiten. Sie wurden zum großen Teil durch Arbeitskräfte aus dem Fernen Osten sowie aus Mittel- und Osteuropa ersetzt. Es wird zudem von einer hohen Dunkelziffer an illegalen Arbeitsmigranten ausgegangen, die insbesondere im Bereich der häuslichen (Pflege-)Arbeit tätig sind.

Umweltproblematik

Eine der größten Umweltherausforderungen des Landes ist die Wasserknappheit. Israel nutzt das vorhandene Süßwasser zu über 99 Prozent. Dies führt zu Gefährdungen des Grundwassers, zu einem dramatischen Rückgang des Wasserspiegels im See Genezareth und im Toten Meer sowie zu bedenklichen Qualitätsverlusten des Trinkwassers. Um den steigenden Wasserbedarf des Landes zu decken, wurde 2001 die längst überfällige Entscheidung zur Errichtung von Meerwasserentsalzungsanlagen getroffen.

Diskutiert wird weiterhin über den Bau einer Unterwasser-Pipeline zur Lieferung von Wasser, Erdgas, Erdöl und Strom. Großes Augenmerk wird auf die Wiederaufbereitung von Ab- und Brauchwasser zur landwirtschaftlichen Nutzung gelegt. Die Wasserknappheit der Region führt immer wieder zu politischen Spannungen. Sie kann aber auch zur Herausforderung für gemeinschaftliche, regionale Lösungskonzepte werden, wie in den Bereichen Energieverbund, Tourismus, Verkehr und Naturschutz.

Eine der wichtigsten Aufgaben ist die Aufforstung des Landes. Bis heute wurden über 320 Millionen Bäume gesetzt. Die gezielte Anpflanzung von Wäldern und ihre Bewässerung konnten den Nordrand der Negev-Wüste in den Süden verschieben und haben zur Gewinnung landwirtschaftlicher Nutzflächen beigetragen.

Israel gehört mit über 2,1 Millionen Kraftfahrzeugen zu den verkehrsdichtesten Ländern der Erde. Die Verkehrsverhältnisse in den Ballungsgebieten, Umweltbelastungen wie Luftverschmutzung und volkswirtschaftliche Verluste sind entsprechend groß. Seit 1990 hat sich daher die Zahl der Zugreisenden verzwölffacht, es wurde mit dem Bau eines S-Bahn-Netzes im Großraum Tel Aviv und einer neuen, achtspurigen Nord-Süd-Autobahn begonnen. Diese hat aber zu anhaltenden Protesten von Umweltverbänden geführt, die hierin das falsche Signal für eine ökologische Bewältigung der Verkehrsproblematik sehen.

 

Energieversorgung

Israels Energiebedarf wird zu 96 Prozent durch die Einfuhr fossiler Brennstoffe gedeckt (Kohle aus Südafrika, Australien, den USA und Polen, Erdöl aus Ägypten, Westafrika, Mexiko, der Nordsee und zunehmend aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion), die in fünf an der Küste gelegenen Kraftwerken verheizt werden. Da die erheblichen Erdgasfunde vor der Küste im Jahr 2000 den Energiehaushalt des Landes nicht genügend entlasten konnten, wird Israel in diesem Jahr erstmals gezwungen sein, Erdgas aus Ägypten zu importieren.

Künftig sollen auch erneuerbare Energien stärker als bisher zur Energieerzeugung beitragen. Derzeit stagniert der Anteil bei 3,5 Prozent, die insbesondere aus der Warmwasserbereitung der Haushalte durch obligatorische Sonnenkollektoren resultieren. Innovative Technologien zur Nutzung der Sonnenenergie befinden sich in unterschiedlichen Entwicklungsphasen. Ein erstes Windkraftwerk wurde auf den Golanhöhen errichtet. Sollte der Plan zum Bau eines Kanals zwischen dem Roten und dem Toten Meer realisiert werden, würde dies den Betrieb hydroelektrischer Kraftwerke mit großen Nachtspeicherkapazitäten ermöglichen.

 

Steigendes Umweltbewusstsein

Der Natur- und Umweltschutz in Israel bewegt sich zwischen geschichtsbewusstem Heimatstolz und kurzsichtigem Wegwerfverhalten. Einerseits gibt es Naturschutzgebiete und über einhundert Nationalparks, einen aktiven Naturschutzverein und Erziehung zu Naturverbundenheit, andererseits stehen dem illegale Bauschutthalden, verpestete Bäche, gedankenlose Ausflügler und starke Zersiedlungstendenzen gegenüber.

Die Luftverschmutzung durch hohes Verkehrsaufkommen, fehlende Entschwefelungsanlagen an Kraftwerken und mangelnde Durchsetzung der Umweltauflagen für die petrochemische Industrie erreichten in den Ballungsgebieten gesundheitsgefährdende Ausmaße. Doch steigt das Bewusstsein hierfür mit der Folge, dass sich die Menschen organisieren. Eine Grüne Partei wurde gegründet, der 1999 erstmals der Einzug in den Stadtrat von Tel Aviv gelang und die sich dort auch in den letzten Jahren behauptete.

Frieden als Voraussetzung

Der in Oslo begonnene Friedensprozess mit den Palästinensern und die daran geknüpften Hoffnungen auf die Transformation der Krisenregion Nahost in einen vielversprechenden Wirtschaftsraum haben sich positiv auf Israels Wirtschaft ausgewirkt. Erstmals gab es offene Handelsbeziehungen zu arabischen Staaten im Maghreb und am Golf. Die international finanzierte, infrastrukturelle Entwicklung der palästinensischen Autonomiegebiete führte zu zahlreichen israelisch-palästinensischen Gemeinschaftsunternehmen, und der Friedenschluss mit Jordanien ermöglichte die Errichtung israelischer Fabriken im Haschemitischen Königreich. Auch führte die Defacto-Aufhebung des arabischen Boykotts zu Niederlassungen internationaler Konzerne in Israel, die das Land als natürliche Drehscheibe für wirtschaftliches Engagement in der Region betrachteten. Der Neue Nahe Osten, wie Schimon Peres ihn nannte, nahm Konturen an.

Doch partizipierten nicht alle Israelis an dieser Friedensdividende. Vor allem die Standortverlegung arbeitsintensiver Betriebe der Nahrungsmittel- und Textilindustrie von Israel ins Billiglohnland Jordanien (15 Prozent der israelischen Lohnkosten) führte zu steigenden Arbeitslosenzahlen in den ohnehin benachteiligten Entwicklungsstädten in der Peripherie. Besonders die orientalische Bevölkerung dieser Städte konnte diesem Frieden nur wenig abgewinnen, von ihrem Unbehagen angesichts eines vermeintlichen Identitätsverlustes bei einer tatsächlichen Öffnung der Grenzen einmal abgesehen.

Erst der Abbruch des Friedensprozesses und die Rückkehr zur bewaffneten Auseinandersetzung macht den hohen Preis des Fehlens von Frieden deutlich. So brach die Tourismusbranche zeitweise dramatisch ein, tausende Beschäftigte wurden entlassen. Durch den Libanonkrieg 2006 wurde die Gesundung des israelischen Fremdenverkehrs erneut gebremst. Jedoch wirkte sich der Rückgang der terroristischen Anschläge positiv aus: So rechnete man in den Folgejahren mit neuen Rekorden, nachdem 2007 bereits wieder 2,2 Millionen ausländische Besucher ins Land kamen.Auch die Baubranche profitiert von den positiven Prognosen, nachdem sie durch das Fernbleiben der palästinensischen Arbeitskräfte in den vergangenen Jahren stark in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Die wirtschaftliche Situation der Palästinenserinnen und Palästinenser hat sich indes weiter verschlechtert. Das Pro-Kopf-BIP betrug 2016 gerade noch 2.944 US-Dollar, im Gaza-Streifen noch weniger. Spürbar sind heute vor allem die Negativfolgen des Mangels an Personen- und Güterfreizügigkeit und die zeitweise Aussetzung der Zoll- und Steuerrückerstattung.

Ohne internationale Hilfe kann die Bevölkerung kaum noch ernährt werden. Um die Potenziale voll ausnutzen zu können, brauchen beide Seiten Frieden, der vor allem für die palästinensische Bevölkerung auch eine merkliche und nachhaltige Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse mit sich bringen muss. Hier sind Israel, die arabische Welt und die internationale Gemeinschaft gleichermaßen gefordert.

 

Zukunftsperspektiven

Die Ausgangsposition der israelischen Wirtschaft zu Beginn des 21. Jahrhunderts war denkbar günstig. Von einem vorwiegend landwirtschaftlich geprägten Entwicklungsland mit stark interventionistischer Wirtschaftspolitik wurde der jüdische Staat zu einer wissensbasierten Industrienation westlicher Prägung, der zu den führenden Zentren hochtechnologischer Entwicklungen aufstieg. Seine Wirtschaftsleistung hat ihn unter die 30 reichsten Staaten der Welt gebracht, und er ist Teil der globalisierten Weltwirtschaft geworden.

Die Stagnation der wirtschaftlichen Entwicklung zu Beginn des 21. Jahrhunderts signalisiert aber die immense Bedeutung, die einer Friedensfindung in der Region für die Nachhaltigkeit dieser Entwicklung zukommt. Erst wenn es zu einem stabilen und dauerhaften Einvernehmen mit dem palästinensischen Volk gekommen und die arabische Feindseligkeit gegenüber Israel einer ehrlichen Kooperationsbereitschaft gewichen ist, werden die Staaten und Völker der Region ihr wahres Wirtschaftspotenzial entfalten können.

Bis dahin wird Israel den 1985 eingeschlagenen Liberalisierungskurs sozialverträglich zu Ende führen, eine für alle Bevölkerungsgruppen gerechte Verteilung der Ressourcen vornehmen und eine verantwortungsvolle, nicht bevormundende Rolle bei der regionalen Entwicklung übernehmen müssen.