Hintergrund

„New Kibbutz“ – von Jaffa zu Java

Ehrenamtliche Arbeit in einem Kibbutz hat eine lange Tradition, doch Israel ist nicht mehr (nur) für seinen Export von landwirtschaftlichen Gütern bekannt. Startup-Nation und Hi-Tech-Supermacht – das sind die Attribute, die heutzutage fallen, wenn von Israels Wirtschaft die Rede ist. Während damals junge Leute aus Deutschland nach Israel reisten, um als Volontäre in Kibbuzim die Landwirtschaft anzukurbeln und kräftig in den Orangenplantagen mitzuhelfen, interessieren sich Studierende aus ganz Deutschland heute eher für das Startup-Ökosystem um herauszufinden, was dessen rasante Entwicklung begünstigt. "New Kibbutz" trägt genau dieser Entwicklung Rechnung.

Mit Unterstützung der Landesregierungen von Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, riefen BETATEC (Berlin-Tel Aviv Technology- & Entrepreneurship Comittee) und das Generalkonsulats des Staates Israel für Süddeutschland, im Jahre 2015 das Projekt "New Kibbutz" ins Leben. Es bietet Bachelor- und Master-StudentInnen aus Deutschland die Möglichkeit, in israelischen Startups sowie auch reiferen Unternehmen, vorwiegend im Hi-Tech-Bereich, ein Praktikum zu absolvieren. Von Marketing bis hin zu Softwareentwicklung – das Portfolio bietet eine große Auswahl an spannenden Tätigkeiten in dynamischen Teams. Neben der Arbeit im jeweiligen Unternehmen werden die Praktika durch Workshops und Exkursionen zu politischen, wirtschaftlichen, historischen und sozialen Themen rund um Israel ergänzt. So gelangen TeilnehmerInnen bisweilen in die Knesset, besuchen top Venture Capitals auf dem Rothschild Boulevard, erkunden einen traditionellen Kibbutz oder hören einen Vortrag in der Hanns-Seidel-Stiftung.

BETATEC begleitet die KandidatInnen durch den Bewerbungsprozess, kümmert sich um Visa-Anträge, unterstützt bei organisatorischen Angelegenheiten wie beispielsweise der Suche nach einer passenden Unterkunft und steht für sämtliche Fragen rund um das Leben in Tel Aviv stets zur Verfügung. Aufgrund der Visabestimmungen sind die Praktika unvergütet, die meisten Unternehmen bieten jedoch finanzielle Unterstützung in Form von Erstattung der Mahlzeiten sowie Transport- und Telefonkosten an.

Die Rückmeldungen der teilnehmenden Unternehmen sowie PraktikantInnen des Programms "New Kibbutz" sind wahrlich überwältigend. Die Risikobereitschaft der Israelis trägt unter anderem dazu bei, dass den Studierenden auf Anhieb vollstes Vertrauen entgegengebracht wird und Projekte von Anfang an komplett übertragen werden. Nicht selten ist es vorgekommen, dass so manch einer sein Praktikum verlängert hat oder am liebsten gar nicht mehr nach Hause zurückkehren wollte. Die israelische Arbeitsmoral, Direktheit und die meist flachen Hierarchien im Unternehmen überraschen oder irritieren viele der TeilnehmerInnen zunächst, doch bereits nach kurzer Zeit machen genau diese Gegebenheiten das Arbeitsklima so erfrischend und angenehm. Letztendlich ist es das Gesamtpaket, das den Aufenthalt der Teilnehmer zum vollen Erfolg werden lässt: das selbständige Arbeiten im Unternehmen, die einzigartige Atmosphäre Tel Avivs, der Austausch unter den Praktikanten und die sich daraus entwickelnden Freundschaften sowie die allgemeine Bereicherung, die Land und Leute mit sich bringt.

Seit drei Jahren nehmen nun schon Studierende aus verschiedensten Studiengängen und Fakultäten an dem Programm teil und kehren mit einer Vielzahl an Erfahrungen und neugewonnenem Wissen sowie innovativen Ideen für ihre berufliche Zukunft nach Deutschland zurück. Das Programm zeigt deutlich, wie sich Mentalität und Arbeitsmoral der beiden Länder perfekt ergänzen und wie jeder einzelne Teilnehmer zur Verbesserung der deutsch-israelischen Beziehungen beiträgt.

Liron Koll, “New Kibbutz” Projekt Manager / BETATEC - AHK Israel