Umweltproblematik

Eine der größten Umweltherausforderungen des Landes ist die Wasserknappheit. Israel nutzt das vorhandene Süßwasser zu über 99 Prozent. Dies führt zu Gefährdungen des Grundwassers, zu einem dramatischen Rückgang des Wasserspiegels im See Genezareth und im Toten Meer sowie zu bedenklichen Qualitätsverlusten des Trinkwassers.
Um den steigenden Wasserbedarf des Landes zu decken, wurde 2001 die längst überfällige Entscheidung zur Errichtung von Meerwasserentsalzungsanlagen getroffen. Der im Folgejahr mit der Türkei unterzeichnete Vertrag zur Lieferung von jährlich 100 Millionen Kubikmetern Wasser wurde unter anderem wegen zu hoher Transportkosten rückgängig gemacht. Diskutiert wird in diesem Zusammenhang jedoch weiterhin über den Bau einer Unterwasser-Pipeline zur Lieferung von Wasser, Erdgas, Erdöl und Strom.
Großes Augenmerk wird der Wiederaufbereitung von Ab- und Brauchwasser gewidmet. Etwa 65 Prozent des städtischen Abwassers, dies entspricht einer Menge von rund 290 Millionen Kubikmetern, werden nach entsprechender Behandlung vor allem in der Landwirtschaft wiederverwendet.
DieWasserknappheit der Region führt immer wieder zu politischen Spannungen. Sie kann aber auch zur Herausforderung für gemeinschaftliche, regionale Lösungskonzepte werden, wie in den Bereichen Energieverbund, Tourismus, Verkehr und Naturschutz.
Eine der wichtigsten Aufgaben ist die Aufforstung des Landes. Bis heute wurden über 320 Millionen Bäume gesetzt. Die gezielte Anpflanzung von Wäldern und ihre Bewässerung konnten den Nordrand der Negev-Wüste in den Süden verschieben und haben zur Gewinnung landwirtschaftlicher Nutzflächen beigetragen.
Israel gehört mit über 2,1 Millionen Kraftfahrzeugen zu den verkehrsdichtesten Ländern der Erde. Die Verkehrsverhältnisse in den Ballungsgebieten, Umweltbelastungen wie Luftverschmutzung und volkswirtschaftliche Verluste sind entsprechend groß. Zwischen 1990 und 2006 hat sich daher die Zahl der Zugreisenden verzwölffacht, es wurde mit dem Bau eines S-Bahn-Netzes im Großraum Tel Aviv und einer neuen, achtspurigen Nord-Süd-Autobahn begonnen. Diese hat aber zu anhaltenden Protesten von Umweltverbänden geführt, die hierin das falsche Signal für eine ökologische Bewältigung der Verkehrsproblematik sehen.

Energieversorgung

Israels Energiebedarf wird zu 96 Prozent durch die Einfuhr fossiler Brennstoffe gedeckt (Kohle aus Südafrika, Australien, den USA und Polen, Erdöl aus Ägypten, Westafrika, Mexiko, der Nordsee und zunehmend aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion), die in fünf an der Küste gelegenen Kraftwerken verheizt werden. Da die erheblichen Erdgasfunde vor der Küste im Jahr 2000 den Energiehaushalt des Landes nicht genügend entlasten konnten, wird Israel in diesem Jahr erstmals gezwungen sein, Erdgas aus Ägypten zu importieren.
Künftig sollen auch erneuerbare Energien stärker als bisher zur Energieerzeugung beitragen. Derzeit stagniert der Anteil bei 3,5 Prozent, die insbesondere aus der Warmwasserbereitung der Haushalte durch obligatorische Sonnenkollektoren resultieren. Innovative Technologien zur Nutzung der Sonnenenergie befinden sich in unterschiedlichen Entwicklungsphasen. Ein erstes Windkraftwerk wurde auf den Golanhöhen errichtet. Sollte der Plan zum Bau eines Kanals zwischen dem Roten und dem Toten Meer realisiert werden, würde dies den Betrieb hydroelektrischer Kraftwerke mit großen Nachtspeicherkapazitäten ermöglichen.

Steigendes Umweltbewusstsein

Der Natur- und Umweltschutz in Israel bewegt sich zwischen geschichtsbewusstem Heimatstolz und kurzsichtigem Wegwerfverhalten. Einerseits gibt es Naturschutzgebiete und über einhundert Nationalparks, einen aktiven Naturschutzverein und Erziehung zu Naturverbundenheit, andererseits stehen dem illegale Bauschutthalden, verpestete Bäche, gedankenlose Ausflügler und starke Zersiedlungstendenzen gegenüber. Die Luftverschmutzung durch hohes Verkehrsaufkommen, fehlende Entschwefelungsanlagen an Kraftwerken und mangelnde Durchsetzung der Umweltauflagen für die petrochemische Industrie erreichten in den Ballungsgebieten gesundheitsgefährdende Ausmaße. Doch steigt das Bewusstsein hierfür mit der Folge, dass sich die Menschen organisieren. Eine Grüne Partei wurde gegründet, der 1999 erstmals der Einzug in den Stadtrat von Tel Aviv gelang und die sich dort auch im Jahr 2007 behauptete.