Stabilisierungsprogramm

Die Regierung der Nationalen Einheit, der beide großen Parteien angehörten, verabschiedete 1985 ein Wirtschaftsstabilisierungsprogramm, das eine Währungsreform, die Abwertung des Schekel, der israelischen Währungseinheit, und eine Kürzung der Subventionen vornahm. Es wurde von einer konzertierten Aktion der Regierung, der Arbeitgeberverbände und der Histadrut flankiert, die einen Preisstopp, die Senkung der Reallöhne und eine restriktive Haushaltspolitik beinhaltete. Es war dieses Stabilisierungsprogramm, das die Weichen für die wirtschaftlichen Leistungen des Landes in den kommenden zwei Jahrzehnten stellte. Die Inflationsrate konnte bereits 1987 auf 20 Prozent gedrückt werden, der Anteil der Staatsausgaben am BIP ging zurück, das volkswirtschaftliche Volumen wuchs bis 1994 um reale 59 Prozent.

Privatisierung

In den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten fand in Israel ein kontinuierlicher Privatisierungsprozess statt. Er begann Ende der 1970er Jahre, gewann aber vor allem in den folgenden zwei Jahrzehnten an Schwungkraft. Das 1985 verfasste Wirtschaftsstabilisierungsprogramm zielte in erster Linie darauf ab, Israel zu einer freien Marktwirtschaft werden zu lassen. Das schloss die Privatisierung staatlicher Unternehmen ein, um wirtschaftlichen Wettbewerb zu fördern und das Haushaltsdefizit zu finanzieren.
Wird ein Unternehmen zur Privatisierung freigegeben, so muss zuerst Wettbewerb geschaffen werden, bevor der Verkauf stattfinden kann. Der Grund ist einleuchtend: Wird ein Monopol-Unternehmen als Ganzes veräußert, bleibt es ein Monopol und würde nur den Besitzer wechseln, was weder für den Markt, noch für die Verbraucher von Vorteil wäre. Erst nach der Zulassung und Etablierung von Mitbewerbern wurden also die regierungseigenen Unternehmen privatisiert. Die bislang bedeutendste und symbolträchtigste Privatisierung war die der größten Bank Israels, der Bank Hapoalim (Bank für Gemeinwirtschaft). Sie schlug allein im Haushaltsjahr 2000 mit 579 Millionen US-Dollar zu Buch. Der für das Geldinstitut vereinbarte Gesamtpreis belief sich auf 1,4 Milliarden US-Dollar. Die Bank Hapoalim war ein überaus erfolgreiches Werkzeug bei der Umsetzung wirtschaftlicher Ziele von Regierung und Arbeiterbewegung. Da sie direkt oder indirekt über 770 Unternehmen kontrollierte, 35 Prozent aller Geschäftskredite vergab und eine zentrale Rolle an den Tel Aviver Finanzmärkten einnahm, war ihre Privatisierung ein Meilenstein auf Israels Weg zur De-Ideologisierung seiner Wirtschaft. Im Jahr 2000 erzielte die Regierung durch den Verkauf von Unternehmensanteilen insgesamt fast 700 Millionen US-Dollar.