Rahmenbedingungen

Israel ist ein wasser- und rohstoffarmes Land. Bis auf die Mineralvorkommen im Toten Meer (Pottasche, Magnesium, Brom), Ölschiefer in nicht-kommerzieller Menge auf dem Negev-Plateau und die jüngsten Erdgasfunde vor der Küste war das Land immer auf den Import von Rohstoffen, vor allem von fossilen Brennstoffen, aber auch Chemikalien, Fahrzeugen, Maschinen und anderen Investitionsgütern angewiesen.

Da die Warenausfuhr diese Einfuhren nicht decken konnte, mussten andere Finanzierungsquellen für den Importüberschuss gefunden werden. Seit der Staatsgründung waren es Spenden, vor allem aber Darlehen der jüdischen Diaspora, die teilweise Abhilfe schufen. Auch die Reparationsleistungen der Bundesrepublik Deutschland, die bis 1965 Warenlieferungen im Wert von drei Milliarden DM umfassten, waren von beträchtlicher Bedeutung. Seit Anfang der siebziger Jahre ist die Finanzhilfe durch die USA die wichtigste Quelle ausländischer Zahlungen. Bis 1985 handelte es sich um rückzahlbare Darlehen. Seitdem bezuschussten die USA den israelischen Verteidigungshaushalt mit 1,8 Milliarden US-Dollar, die aber für Rüstungskäufe in den USA verwendet werden mussten. Durch die in Abstimmung mit der israelischen Regierung beschlossene Steigerung der Militärhilfe ab dem Fiskaljahr 1999 (auf derzeit 2,4 Milliarden US-$) bei gleichzeitiger Reduzierung der Wirtschaftshilfe, blieb die US-Unterstützung für Israel mit jährlich circa drei Milliarden US-$ konstant. Im Zuge des Irakkrieges 2003 und des US-Antiterrorkampfes erhielt Israel zusätzliche Gelder zum Erwerb von US-Spezialausrüstung. Damit kommt die amerikanische Finanzhilfe nur noch auf etwa zwei Prozent des israelischen Bruttoinlandsprodukts (BIP). Die positive Wirtschaftsentwicklung des letzten Jahrzehnts hat insgesamt dazu geführt, dass die Fremdfinanzierung des Handelsbilanzdefizits von knapp zehn Prozent zu Beginn der Periode auf unter vier Prozent gesenkt werden konnte.

Die israelische Wirtschaft war durch den ständigen Zustrom von Einwandernden gezwungen, wirtschaftliche Wachstumsraten zu erreichen, die weit über den in anderen, westlichen Ländern üblichen lagen. In den vergangenen 12 Jahren nahm die Bevölkerung durch Einwanderung mehr als 20 Prozent zu. Die Integration dieser Menschen unterschiedlichster Herkunft und kultureller, politischer und demokratischer Erfahrungen stellte eine immense volkswirtschaftliche Aufgabe dar.

Bei einem Bevölkerungswachstum von 2,63 Prozent (2011) konnte man eine Wirtschaftswachstumsrate von 4.9% (2011) sehen. Zuwachsraten von über drei Prozent waren daher erforderlich, und in den erfolgreichen neunziger Jahren betrugen sie nicht selten fünf und mehr Prozent (2007: 5,3 Prozent). 

Hohe Verteidigungslast

Ein weiterer spezifischer Aspekt der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen Israels sind die hohen Verteidigungslasten. Um jeder möglichen Bedrohung gewachsen zu sein, hat das Land seit seiner Gründung beträchtliche Mittel für Rüstung und Verteidigung aufbringen müssen. Bis 1965 stellte der Verteidigungshaushalt 20 Prozent des BIP dar, nach dem Jom-Kippur-Krieg 1973 waren es sogar 32 Prozent. Verteidigung und Schuldendienst beanspruchten damals mehr als die Hälfte der gesamten Wirtschaftsleistung.

Nach dem Friedensschluss mit Ägypten 1978 und dem Ende des Libanon-Krieges 1985 begann die Regierung, den Verteidigungshaushalt schrittweise zu senken. Bis ins Jahr 2000 wurde er um real 20 Prozent reduziert, und bei der Zunahme des Gesamtwirtschaftsvolumens machte er 2006 noch 7,3 Prozent des BIP aus. Diese Angabe berücksichtigt jedoch nicht die versteckten Verteidigungskosten, die durch den langen Pflichtwehrdienst (drei Jahre für Männer, 21 Monate für Frauen) und den jährlichen maximal 40 Tage umfassenden Reservedienst der Männer bis zum 40. Lebensjahr sowie den obligatorischen Bau von Luftschutzräumen in jeder Wohnung entstehen. Die der Volkswirtschaft so verursachten Ausfälle werden auf über vier Prozent des BIP geschätzt.

Arabischer Wirtschaftsboykott

Der arabische Wirtschaftsboykott gegen Israel war bis Mitte der neunziger Jahre die erklärte Politik der Arabischen Liga. Zwar wurde mit Einsetzen des Friedensprozesses der sekundäre und tertiäre Boykott ausgesetzt, aber immer noch verbietet er fast allen arabischen Staaten den Handel mit Israel. Sekundärer Boykott bedeutet, dass Unternehmen aus Drittländern, die in wirtschaftlichem Kontakt mit Israel stehen, boykottiert werden. Der tertiäre Boykott trifft Unternehmen, die in engem Kontakt mit den Firmen stehen, die im Rahmen des sekundären Boykotts auf die Boykottliste gekommen sind. Der Schaden, der Israels Volkswirtschaft dadurch entstand, ist schwer zu schätzen, geht aber über die Jahre in die Milliarden.

Mischwirtschaft

Die israelische Wirtschaft war zu Anfang eine Mischwirtschaft, die zu etwa gleichen Teilen aus staatlichen, gemeinwirtschaftlichen und privaten Betrieben bestand. Erst Ende der siebziger Jahre begann die Regierung, sich aus der Unternehmerrolle zurückzuziehen.

Mit dem Niedergang der Gemeinwirtschaft seit Mitte der achtziger Jahre nahm auch deren Anteil ab und macht heute nur noch etwa neun Prozent des BIP aus. Er besteht vor allem aus landwirtschaftlichen und industriellen Unternehmen der Kibbuzim sowie der Transportkooperative. Damit entspricht das Land heute den modernen Strukturen einer freien Marktwirtschaft, aber Staatsmonopole in den Bereichen Energie, Wasser und Bodenverteilung spielen immer noch eine nicht zu vernachlässigende Rolle. Ihr Anteil wird erst mit dem Abschluss der Privatisierungsvorhaben auf westliches Maß gelangen.