1990er Jahre

Die einst hauptsächlich auf Landwirtschaft, Leichtindustrie und arbeitsintensiver Produktion basierende traditionelle Ökonomie entwickelte sich in Israel zu einer "wissensbasierten" Wirtschaft mit international wettbewerbsfähigen Telekommunikations-, Hightech- und Agrartechnologie-Industrien. Die makroökonomischen Bedingungen haben sich dabei in den vergangenen 15 bis 20 Jahren bemerkenswert gewandelt:
Das Pro-Kopf-BIP steigerte sich um fast 80 Prozent von 12335 US-Dollar (1990) auf geschätzte 22073 (2007). Es hat bereits seit einigen Jahren europäischen Standard erreicht und ist größer als das einiger EU-Mitgliedstaaten. Im Jahr 2006 betrug das BIP 142,5 Milliarden US-Dollar und entsprach damit in etwa der Größenordnung Portugals, der Tschechischen Republik und des gemeinsamen BIP Ägyptens, Jordaniens, Syriens, des Libanon und der palästinensischen Autonomiegebiete.
Die Bevölkerung wuchs in diesem Zeitraum vor allem infolge der großen Einwanderungswelle aus den Republiken der ehemaligen Sowjetunion von 4,7 Millionen auf mittlerweile 7,2 Millionen Menschen. Trotz des auch dadurch verursachten rapiden Anstiegs des Arbeitskräfteangebots sank die Arbeitslosenrate von elf Prozent 1992 auf unter neun Prozent im Jahr 2000. Nach einem erneuten Anstieg zu Beginn des 21. Jahrhunderts, verursacht durch die Konjunkturschwäche infolge der andauernden Spannungen mit den Palästinensern und durch die Weltwirtschaftssituation, erreichte die Arbeitslosenrate im Jahr 2007 wieder 7,3 Prozent. Für 2008 werden 7,2 Prozent erwartet.

Ausländische Investitionen

Ausländische Investoren haben Israel erst im vorigen Jahrzehnt entdeckt. Ihr Kapital begann meist in Form von Direktinvestitionen verstärkt Mitte der 1990er Jahre ins Land zu fließen. Nach einem vorläufigen Rekord der ausländischen Investitionen im Jahr 2000 von 11,7 Milliarden US-Dollar, verursachten in den folgenden Jahre die angespannte Sicherheitslage in Israel und die Einbrüche der Weltmärkte zunächst einen drastischen Rückgang auf unter vier Milliarden US-Dollar (2002). Mittlerweile erreichen die ausländischen Investitionen jedoch neue Spitzenwerte, wobei insbesondere das Jahr 2006 mit 25,1 Milliarden. US-Dollar als herausragend gilt.
Dabei interessieren sich ausländische Investoren aus Europa, den USA und dem Fernen Osten in erster Linie für Israels Hightech-Industrie. So betrafen 2007 89 Prozent aller ausländischen Übernahmen in der Industrie Hochtechnologie-Unternehmen. Israelische Vermögenswerte in ausländischem Besitz umfassten zur Jahrtausendwende mit rund 123 Milliarden US-Dollar mehr als das BIP. 59 Prozent davon waren private Investitionen jenseits des Bankensektors, etwa ein Viertel Auslandsobligationen der israelischen Regierung und der Rest Fremdwährungsanlagen an israelischen Banken.

Konjunkturmotor Hightech

Israel führende Rolle im Hightech-Bereich ist in erster Linie der zivilen Nutzung militär- und rüstungstechnischer Entwicklung zu verdanken. Das Land konnte seinen militärischen Widersachern nie mit Überlegenheit an Masse oder Mitteln begegnen. Deshalb kam es auf höhere Zielgenauigkeit, modernste Radartechnologie und elektronische Fahrtkontrolle an, auf innovative Verschlüsselungsalgorithmen, effiziente Bandbreitennutzung, elektromagnetische Abschirmung, superschnelle Datenanalyse, hervorragende Bilderkennungssoftware und Simulationsprogramme. Dabei wurde von Anbeginn die eigene Entwicklung dieser Technologien betrieben, um von Rüstungslieferbeschränkungen oder Boykotts möglichst unberührt bleiben zu können.
Mit der Veränderung der geopolitischen Situation nach Ende des Ost-West-Konflikts konnte sich Israel erstmals eine Kürzung des Verteidigungshaushalts sowie eine Reduzierung der Truppenstärke leisten und entließ unter anderem Hunderte der besten Ingenieure und Softwareexperten. Viele von ihnen gründeten eigene Hightech-Unternehmen, in denen sie für das Militär entwickelte Technologien in zivilen Produkten erfolgreich zum Einsatz brachten.
Mit der Ende der 1980er Jahre einsetzenden Immigrationswelle aus der ehemaligen Sowjetunion kamen 40 Prozent akademisch Ausgebildeter, darunter zahlreiche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von Weltrang ins Land. Sie stellten ein immenses Arbeitskräftepotenzial für die Hightech-Industrie dar. Die israelische Regierung förderte daher Hightech-Firmengründungen in großem Ausmaß.
Bildung und Forschung haben in Israel großen Stellenwert. 65 Prozent der Schülerinnen und Schüler machen Abitur, die Zahl der Studierenden beträgt knapp eine Viertelmillion. Mit einem Akademikeranteil von 29 Prozent an der Gesamtbevölkerung gehört Israel zur Weltspitze. Eine enge Kooperation zwischen Regierung, Universitäten und Industrie sorgt noch während der Studienzeit für erste Kontakte zwischen Studenten und Hightech-Unternehmen.
Erst das Zusammentreffen dieser vier Faktoren - militärische Notwendigkeiten, Einwanderung, Politik und Bildung - haben in Verbindung mit zahlreichen Firmengründungen die rasante Hightech-Entwicklung Israels ermöglicht.
1991 machten Hightech-Produkte bereits 23 Prozent des israelischen Exports aus. 2007 waren es etwa 75 Prozent aller Industrieausfuhren (exkl. Diamanten). Hightech im Wert von rund 24 Milliarden US-Dollar wurde im Jahr 2007 exportiert. Allein die Softwareexporte weisen jährliche Wachstumsraten von über 20 Prozent auf und haben 2007 die vier Milliarden-US-Dollar-Marke überschritten.
Die international führenden Hightech-Konzerne haben Israel als Quelle technologischer Innovationen erkannt. Während ihre Investitionen noch 1992 bei nur 340 Millionen Euro lagen, erreichten sie 2006 mit elf Milliarden US-Dollar das 32-fache.
Die israelischen Hochschulen konnten zeitweise den Bedarf der Branche an Computerfachleuten und Elektronik-Ingenieuren nicht abdecken. Um den Nachwuchsproblemen zu begegnen, bauten die Unternehmen daher Outsourcingkapazitäten in Rumänien, Belarus, Indien und - bis zum Ausbruch der Al-Aqsa-Intifada - sogar in unmittelbarer Nachbarschaft bei den Palästinensern auf.
Der Branchenboom hatte zur Gründung hunderter kleiner Unternehmen geführt. Aber während der Jahre der zweiten Intifada und der hartnäckigen Krise der Hightech-Notierungen an den Weltmärkten schrumpfte auch die Branche in Israel erheblich. Dies hatte Unternehmenszusammenführungen, eine mittelfristige Straffung und letztendlich Konsolidierung zur Folge.
Die israelische Steuerpolitik wirkt sich hemmend auf die Weiterentwicklung der Branche aus: Erst eine Reform, die den Nachwuchsfachkräften von heute verlockende, mit denen in Kalifornien vergleichbare, Einkommensmöglichkeiten bietet, wird die Attraktivität des Silicon-Wadi erhalten.
Die neuen Wachstumsfelder Medizintechnik und Biotechnologie erfordern Entwicklungszeiten und Genehmigungsverfahren, die ein Stehvermögen voraussetzen, wie es immer mehr israelische Unternehmen an den Tag legen. Während Israel jedoch im Bereich der Medizintechnik bereits zu den Weltmarktführern gehört, ist die Biotechnologiebranche noch ausbaufähig.
Investitionen in israelische Jungunternehmen lagen im Jahr 2007 bei 1,76 Mrd. US-Dollar - 8,5 Prozent über der Summe des Vorjahres und 31,5 Prozent über der des Jahres 2005. Dies zeigt, dass die durch die Krise an den Weltmärkten und die sicherheitspolitische Lage im Nahen Osten zu Beginn des 21. Jahrhunderts verringerte Risikobereitschaft und Investitionsfreudigkeit nur langsam wieder zunehmen. Die Investitionssumme liegt dennoch weit unter der des Rekordjahres 2000 (über drei Milliarden Dollar).
Trotzdem bleibt Israel ein Technologie- und Risikokapitalzentrum: Gerade auch deutschen Unternehmen bieten sich interessante Kooperationen an. Weil den Israelis der Zugang zu europäischen Märkten noch schwer fällt, suchen sie lokale Partner mit Marketing-, Unterstützungs- und Produktionsmöglichkeiten. Weitere Anreize für Kooperationen liegen darin, dass Israel als einziges Nicht-EU-Mitglied an von der EU geförderten Rahmenprogrammen für Forschungs- und Entwicklungsprojekte beteiligt ist.

Israel ist in Hinblick auf internationalen Handel eine offene Volkswirtschaft: Ein- und Ausfuhren machten 1990 bereits 80 Prozent des BIP aus, im Jahr 2006 waren es knapp 88 Prozent. Erstmals in seiner Geschichte erzielte der Staat Israel im Jahr 2006 einen Handelsüberschuss. Im Jahr 2007 lag das Defizit des Warenhandels bei knapp 2,7 Milliarden US-Dollar.

Export und Bankensystem

Auch die Strukturen des israelischen Exports haben sich im vergangenen Jahrzehnt wesentlich geändert. 90 Prozent des gesamten Exportanstiegs entstammten den Hightech-Industrien. Während der Export von Orangen und Software zu Beginn der 1990er Jahre mit je 300 Millionen Dollar gleich groß war, sank das Volumen für Zitrusfrüchte bis zum Jahr 2007 um etwa zwei Drittel , der Softwareexport hingegen hatte sich mit fast vier Milliarden Dollar mehr als verzwölffacht. Die Währungsreserven Israels betrugen 2006 etwa 45 Prozent der Importe - eine Steigerung um etwa 50 Prozent gegenüber 1990.
Das israelische Bankensystem ist nach dem Zusammenbruch von 1983 solide und konservativ. Die israelischen Banken blieben von den Finanzkrisen Mitte der 1990er Jahre in Südostasien, Russland, Lateinamerika und den Hedgefonds (Kurssicherungsfonds) unberührt, da sie sich an diesen Wachstumsmärkten nicht engagiert hatten und daher auch keine Verluste verbuchen mussten.

Staatshaushalt

Die Inflation, die die israelische Wirtschaft seit Anfang der 1960er Jahre geplagt hatte, konnte in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre auf einstelliges Niveau gedrückt werden und erreichte 2000 null Prozent. 2007 lag sie bei 3,4 Prozent, für 2011 lag sie bei 4%. Das 1991 in Kraft getretene Gesetz zur Haushaltsdefizitreduzierung setzt den jährlichen Prozentsatz des Defizits im Verhältnis zum Inlandsprodukt fest und sichert so ein verantwortungsvolles Wirtschaftsverhalten der Regierung.
Der Umfang des Staatshaushalts konnte von 51,7 Prozent des BIP im Jahr 1990 auf etwa 45,6 Prozent in 2006 reduziert werden. Das Haushaltsdefizit betrug, nachdem es während der letzten blutigen Auseinandersetzungen mit den Palästinensern von beinahe null erneut auf über fünf Prozent des BIP gestiegen war, im Jahr 2006 nur noch 1,2 Prozent. Die unerwarteten Kosten im Zuge des Libanon-Krieges konnten vor allem durch höhere Staatseinnahmen aufgefangen werden. Der nahezu ausgeglichene Haushalt im Jahr 2007 war ebenfalls vor allem der Einnahmenseite geschuldet.
Sowohl die interne als auch die externe Verschuldung konnte im besagten Zeitraum maßgeblich verringert werden und lag im Jahr 2000 unter 100 Prozent des BIP. Selbst mit 81,7 Prozent im Jahr 2007 ist Israel aber immer noch weit von den 60 Prozent entfernt, die der Vertrag von Maastricht als Richtwert nennt.

Geldpolitik

Die Geldpolitik wird von der Nationalbank (Bank of Israel) festgelegt. Das Inflationsziel bestimmt die Regierung nach Beratungen mit der Nationalbank, wobei diese ihre 1985 erlangte, instrumentale Unabhängigkeit wahrt. Seit dem Jahr 2003 hat die israelische Regierung die in westlichen Industrienationen übliche Preisstabilitätsdefinition von jährlich null bis drei Prozent übernommen.
Im September 2000 wurden zwei Maßnahmen zur Erreichung voller Konvertibilität des Schekels getroffen: Erstens wurde Versicherungen und Rentenfonds gestattet, bis zu fünf Prozent ihres Wertes an internationalen Finanzmärkten anzulegen. Zweitens durften israelische Einwohner Devisentermingeschäfte mit Ausländern für länger als 30 Tage vornehmen.
Die Nationalbank setzt monatlich den Nominalzinssatz fest, um die Erreichung des von der Regierung gesetzten Inflationsziels zu garantieren. Die immer noch hohen Inflationsraten in den 1990er Jahren führten zu entsprechend hohen Zinssätzen (meist über sechs Prozent). Obwohl sich ein hoher Zinssatz hemmend auf die wirtschaftliche Aktivität auswirkt, verkündete der Nationalbankpräsident im Dezember 2007 eine Erhöhung des Zinssatzes um 0,25 Prozentpunkte auf 4,25 Prozent, auch weil die Inflationsrate im Jahr 2007 bei 3,4 Prozent lag.

Außenwirtschaft

Als kleines Land mit nur begrenztem Binnenmarkt ist Israel in hohem Maße vom Außenhandel abhängig. Um das notwendige Wirtschaftswachstum zu garantieren und notwendige Einfuhren zu decken, war von Anbeginn der Export von größter Bedeutung. Die israelische Außenhandelspolitik setzt daher seit Mitte der 1980er Jahre auf wachsende Handelsfreiheit, um den Wettbewerb am Binnenmarkt und die Produktivität der eigenen Industrie zu erhöhen.
Israel ist Mitglied in der Welthandelsorganisation (WTO) und hat Freihandelsabkommen mit seinen wichtigsten Handelspartnern, den USA und der EU, mit den EFTA-Staaten, mit Kanada, Mexiko sowie der Türkei. Auch mit China, den meisten Staaten der ehemaligen Sowjetunion und Kroatien, die nicht der WTO angehören, bestehen Abkommen über Meistbegünstigung in den Handelsbeziehungen. Ein solches wurde auch mit Jordanien abgeschlossen.
Das geopolitische Umfeld verhinderte den Handel zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn fast vollständig. Darüber hinaus ließen das große Entwicklungsgefälle und die unterschiedlichen Produktionsstrukturen zwischen Israel und seinen Nachbarstaaten Europa und die USA zu den wichtigsten Handelspartnern des Landes werden. So kamen im Jahr 2007 35 Prozent aller Warenimporte aus der EU, weitere 15 Prozent aus den USA, während 35 Prozent aller Warenexporte in die EU und 28 Prozent in die USA flossen. Der Außenhandel war insgesamt im Vergleich zum Vorjahr um 17 Prozent gestiegen, wobei die Ausfuhr mit 15,6 Prozent etwas weniger expandierte als die Einfuhr mit 18,4 Prozent (exkl. Diamanten). Die Ausfuhr von (wissensbasierten) Dienstleistungen ist weiterhin von zunehmender Bedeutung und belief sich im Jahr 2007 auf etwa 21,3 Milliarden US-Dollar. Dem gegenüber stand eine Einfuhr von Dienstleistungen im Wert von circa 18,1 Milliarden US-Dollar.
Über 26 Prozent der Industrieausfuhr besteht aus geschliffenen Diamanten, die als Rohdiamanten eingeführt werden müssen. In den meisten Exportstatistiken werden sie nicht berücksichtigt, weil sie zu großen Verzerrungen in der Darstellung führen würden.
Der gesamte Warenexport lag im Jahr 2007 bei 35,7 Milliarden US-Dollar (exkl. Diamanten), während die Warenimporte 46,6 Milliarden (exkl. Diamanten) erreichten. Dadurch ging der Deckungsgrad auf 89,9 Prozent zurück (2000: 97 Prozent).
Während im Jahr 2001 noch ein Außenhandelsdefizit gegenüber der EU von 67 Prozent existierte, ist das Verhältnis heute ausgeglichen. Deutschland war jahrzehntelang Israels zweitwichtigster Handelspartner (exkl. Diamanten) nach den Vereinigten Staaten, wobei im Jahr 2006 die Exporte in die Bundesrepublik mit 1,7 Milliarden US-Dollar weit hinter den Importen von knapp 3,2 Milliarden zurückblieben. Im letzten Jahr verwies jedoch die VR China Deutschland auf den dritten Platz der führenden Importländer. 2011 lag die gesamte Ausfuhr bei 65.9 billionen USD und die Einfuhr bei 73.9 billion USD.