AHK Newsletter #5, Dezember 2014

Inhalt

Neues aus der Kammer

Neues aus Israel

GTAI – Ausgewählte Berichte

Wussten Sie, dass...?  Zahlen und Fakten rund um Israel

Liebe Leserinnen und Leser,

2014 war für die israelische Wirtschaft ein Jahr mit zahlreichen Herausforderungen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nahm zwar voraussichtlich um 2,2% zu, dies bedeutete jedoch zugleich das schwächste Wachstum seit 5 Jahren. Daran war weniger die Militäroperation in Gaza im Sommer Schuld, als die allgemeine Exportschwäche der israelischen Wirtschaft. Da auch bei den Unternehmensinvestitionen Flaute herrschte, bewahrte allein der konstant robuste Verbraucherkonsum das Land vor einem noch schwächeren Resultat.

Die Aussichten für 2015 sind jedoch deutlich besser und stimmen optimistisch. Investitionen werden voraussichtlich in umfangreichem Maß getätigt, die Einfuhr soll stark zunehmen und der Konsum stabil bleiben, sodass unter dem Strich im nächsten Jahr mit einem BIP-Wachstum von 3,0% gerechnet wird. Hohes Marktpotenzial für deutsche Unternehmen besteht u.a. weiterhin bei Maschinenbau und Umwelttechnik. Dazu kommt vermehrt Bewegung in die israelische Nahrungsmittelbranche, da jede kommende Regierung dort schnelle Erfolge erzielen will. Wenngleich der Knesset-Wahlkampf das Land im ersten Quartal politisch lähmen wird, ist jetzt schon klar, dass jede denkbare Regierungskoalition Israels marktwirtschaftliche Ausrichtung beibehalten und ggf. die Konzentration von Marktmacht in einigen Bereichen abbauen und den Wettbewerb fördern wird. Trotz der Ereignisse in Gaza im Sommer sind die bestimmenden Themen des gerade angelaufenen Wahlkampfs erneut die Lebenshaltungskosten und der Richtungsstreit zwischen einem nationalistisch-jüdischen und einem liberal-zionistischen Israel. Eines ist jedenfalls schon klar: das noch vor einem halben Jahr bei vielen Israelis vorherschende Gefühl, dass es keine Alternative zu einer von Benjamin Netanjahu geführten Regierung gibt, ist verflogen. Israel steht einer der spannendsten und unberechenbarsten Wahlkämpfe seit langem bevor. Alte Allianzen lösen sich auf und neue werden geschmiedet.

Für das Team der AHK Israel stehen somit herausfordernde und spannende Monate ins Haus, denn 2015 feiern wir auch 50 Jahre diplomatische Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern und 20 Jahre seit der Aufnahme unserer Kammer ins AHK-Netz. Dazu wird es insbesondere im Mai und Juni zahlreiche Veranstaltungen geben, über die wir Sie in den kommenden Wochen und Monaten auf dem Laufenden halten. Schon jetzt können wir verkünden, dass Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel Ende Juni bei einem von uns organisierten 3-tägigen Austellungs- und Konferenzmarathon unter dem Titel „Made in Germany“ zu Gast sein wird. Im Januar startet die dazugehörige Website, besuchen Sie in der Zwischenzeit auch unsere AHK Homepage und unsere Facebook-Präsenz.

Frohe Weihnachten, ein fröhliches Lichterfest und ein gesundes Neues Jahr wünscht Ihre AHK Israel.


©GuinGuin (http://on.fb.me/1qZ0d78)

Neues aus der Kammer

Startups, Engel und eine Senatorin – Erfolgreicher BETATEC-Launch in Berlin

LEDs und hunderte Pflanzenkübel in einem weitläufigen Gewerbeloft, der einen Mix von Innovation und Improvisation versprüht – was hätte ein passenderer Ort für den Deutschland-Start der AHK-Initiative BETATEC (Berlin Tel Aviv Technology & Entrepreneurship Committee) sein können, als die Räumlichkeiten des in Berlin beheimateten israelischen Startups INFARM? Gegründet von zwei in Berlin lebenden israelischen Brüdern, versucht INFARM nicht weniger als die Produktion von Gemüse in Städten zu revolutionieren. Die Firma ist ein Beispiel für die vielfältigen deutsch-israelischen Projekte, die man in Berlin an jeder Ecke sehen kann – und passt damit perfekt zu BETATECs Ziel, die Startup-Szenen in Deutschland und Israel stärker miteinander zu vernetzen.


Die Rechtsanwaltkanzlei Graf von Westphalen hatte gemeinsam mit BETATEC zu einer Diskussion über die Ergebnisse der McKinsey-Studie „Berlin gründet“ eingeladen. In dieser wird das israelische Startup-Ökosystem als ein mögliches Vorbild genannt, für bessere Unterstützungsangebote an junge Firmen in der deutschen Hauptstadt. 

Der Einladung folgten über 100 Jungunternehmer, Investoren und Vertreter von
Hochschul-, Forschungs- und öffentlichen Einrichtungen aus Deutschland und Israel. Ehrengast des Abends war Berlins Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer, die in ihrer Rede die bemerkenswerte Entwicklung Berlins zur Heimat für Startups in den letzten Jahren aufzeigte.

Im Gespräch mit BETATEC vor Eröffnung des Events kündigte Yzer außerdem an, dass sie Anfang Mai 2015 Israel gemeinsam mit einer Delegation von Jungunternehmern besuchen werde. Ziel der Reise wird es sein, die Startup-Szenen Berlins und Israels stärker zu verknüpfen und herauszufinden, warum Israel so viele Startups hervorbringt (pro Kopf sogar mehr als das Silicon Valley).

Im weiteren Verlauf der Konferenz stellte der BETATEC-Vorsitzende Mickey Steiner dem Publikum die für 2015 geplanten Aktivitäten vor. 


Senatorin Yzer mit den INFARM-Gründern Erez und Guy Galonska.

Besonders erwähnenswert: Ende Juni wird BETATEC in Tel Aviv an der Ausrichtung einer deutsch-israelischen Investorenkonferenz beteiligt sein, in der 2. Jahreshälfte eine Networking-Reise für deutsche Startups ins Silicon Wadi anbieten und ab Herbst 2015 deutsche Studenten aus dem Hightech-Bereich zwecks Praktika an israelische Unternehmen vermitteln.


BETATEC und die Senatorin im Gespräch über die zukünftige Zusammenarbeit.

Weitere Highlights des Events waren die Präsentation von iAngels Mitbegründerin Shelly Hod Moyal über crowdbasierte Investitionschancen und die Vorstellung einiger israelischer Startups durch Hemdat Sagi, Direktorin des Israel Trade Centers in Berlin.

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Dr. Michael Federmann für drei weitere Jahre zum Präsidenten der Deutsch-Israelischen Industrie- und Handelskammer gewählt

Am 25. November wurde Dr. Michael Federmann von der Generalversammlung der AHK Israel für drei weitere Jahre in seinem Amt als Präsident der Kammer bestätigt. Federmann, der in Haifa geboren wurde und dessen Vater aus Chemnitz stammt, ist Vorstandsvorsitzender von Elbit Systems, der Dan Hotel Gruppe und von Federmann Enterprises.

Außerdem fanden Wahlen zum Präsidium der AHK Israel statt. Dem neuen Präsidium gehören 17 Vertreter deutscher und israelischer Firmen an. Neu in diesem Gremium sind u.a. die Pharmariesen Teva und Bayer, die Israel Discount Bank und Israel Chemicals. Die komplette Liste der Präsidiumsmitglieder finden Sie auf unserer Webseite.


Das neu gewählte Präsidium der AHK Israel.

Law Made in Germany in Tel Aviv

Der Schutz geistigen Eigentums und die gesetzeskonforme Nutzung von Daten waren zwei der Hauptanliegen von Law Made in Germany, einer vom Deutschen Anwaltsverein (DAV) in Zusammenarbeit mit der Deutsch-Israelischen Industrie- und Handelskammer (AHK Israel) organisierten Veranstaltung, die am 2. Dezember in Tel Aviv stattfand. Der Einladung gefolgt waren sowohl israelische Anwälte als auch Unternehmensvertreter. Nach der Begrüßung durch den Geschäftsführer der AHK Israel, Grisha Alroi-Alroser, und durch Monika Iwersen, Gesandtin der Deutschen Botschaft in Tel Aviv, informierte eine Delegation von drei Anwälten des DAV aus Berlin und Hamburg das Publikum über internationales Recht, geistiges Eigentum und Datenschutz.

Zunächst verwies Dr. Cord Brügmann, Hauptgeschäftsführer des DAV in Berlin, in seiner thematischen Einführung auf die Bedeutung der Rechts- und Gerichtsstandwahl im internationalen Rechtsverkehr. Einen besonderen Schwerpunkt setzte Brügmann dabei auf die Vermarktung von Law Made in Germany: es bestünden viele Gründe, die deutsche Gesetzgebung gegenüber anderen zu bevorzugen. Dazu zählen die lange Geschichte des Deutschen Rechts, die kritische Prüfung der Deutschen Gesetzgebung und die systematische Kodifizierung, die Law Made in Germany besonders attraktiv machen, so Brügmann. Außerdem wurde während der Veranstaltung mehrmal darauf hingewiesen, dass die deutsche Gesetzgebung trotz ihrer hohen Qualifizierung und Spezialisierung relativ kostengünstig und schnell durchsetzbar sei. Eine Schwäche deutschen Rechts müsse man jedoch berücksichtigen: die deutsche Sprache. Sie sei international weder so vertreten wie andere noch die Sprache des Wiener Kaufrechts.

Danach hielt die Rechtsanwältin Dr. Andrea Jaeger-Lenz, einen spannenden und klar strukturierten Vortrag über Intellectual Property Rights. Insbesondere wurde die Frage diskutiert, wie geistiges Eigentum in der Hightech-Industrie geschützt werden könne. Jaeger-Lenz hatte dazu spannende Informationen bezüglich des Schutzes von Patenten, Marken, Design und Urheberrecht parat.

Abschließend leistete Rechtsanwalt Prof. Niko Härting, einen ausführlichen Beitrag über Datennutzung und Datenschutz nach deutschem Recht. Härting wies darauf hin, dass Datenschutz nach deutschem Recht besonders für israelische Startups und Unternehmen im Hightech- und IT-Bereich sehr attraktiv sei.

Die Veranstaltung Law Made in Germany zeigte deutlich, wie eng und belastbar die Geschäftsbeziehungen zwischen Deutschland und Israel sind. Israelische Unternehmen, die bei ihren Internationalisierungsbemühungen auf Europa setzen, können sich darauf verlassen, dass das deutsche Recht dafür eine geeignete Grundlage bietet.

Neues aus Israel

Fraunhofer und Stef Wertheimer fördern angewandte Forschung in Israel


Die Fraunhofer-Gesellschaft vernetzt sich stärker mit Israel. Europas größte Organisation für angewandte Forschung kooperiert dazu mit dem israelischen Industriellen Stef Wertheimer. 

Ziel der Partnerschaft ist es, Fraunhofer-Institute mit Unternehmen, Forschungseinrichtungen sowie dem öffentlichen Sektor in Israel zusammenzubringen.

Fraunhofer und der Technologiepark »Zur Lavon« unterzeichneten dazu eine Absichtserklärung, die den Aufbau einer gemeinsamen Kommunikationsplattform vorsieht. Das nördlich von Haifa gelegene Industriegelände ist im Besitz von Wertheimer. Fraunhofer soll durch die Partnerschaft den Zugang zu Exzellenznetzwerken in Israel erhalten und die Möglichkeit bekommen, mit Unternehmen, Universitäten oder Forschungseinrichtungen aus Israel zu kooperieren. 

Umgekehrt erhält die israelische Seite die Chance, sich mit Fraunhofer-Instituten und -Wissenschaftlern zu vernetzen. Weitere Ziele sind unter anderem gemeinsame Forschungsprojekte zu initiieren, Wissenschaftler auszutauschen und den Bildungstransfer zu intensivieren. Im Fokus der Aktivitäten steht zunächst die produktionsorientierte Industrie im Norden Israels.

Die strategische Fortentwicklung übernimmt eine Expertengruppe unter der Leitung von Wertheimer und Raoul Klingner, Abteilungsleiter »Internationale Geschäftsentwicklung« bei der Fraunhofer-Gesellschaft. Weitere Unterstützer sind zum Beispiel Emanuel Liban, Vorsitzender des israelischen Ingenieursverbands, und Prof. Rafael Wertheim, Wissenschaftler am Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU in Chemnitz und enger Vertrauter von Wertheimer.


Neuer Partner von Fraunhofer: der israelische Industrielle Stef Wertheimer. © Stef Wertheimer

Quelle: http://www.fraunhofer.de/de/presse/presseinformationen/2014/November/fraunhofer-und-stef-wertheimer.html

Israels neuester Rekord: Der weltgrößte Digitaldrucker von Dip-Tech

Die Israelische Firma Dip-Tech hat den Guinness Preis für den weltgrößten Digitaldrucker gewonnen. Das Unternehmen hat eine Technik entwickelt, die es ermöglicht, auf großen Glasscheiben und Keramikflächen zu drucken. Zum Beispiel kann der Dip-Tech AR18000 Drucker eine einzige Glasscheibe mit einer Gesamtfläche bis zu 64 Quadratmetern bedrucken. Es gibt heute nur zwei solche Drucker weltweit, einen davon betreibt die Sedak GmbH & Co. KG in Deutschland.

Digitaler Glasdruck funktioniert ähnlich wie auf Papier. Ein Bild wird an den speziellen Dip-Tech Drucker gesendet, der das Bild aufs Glas überträgt. Nach dem Druck wird das Glas getrocknet und in einem Ofen gebrannt. Bisher wurde die Dip-Tech Technologie für die Herstellung von Glaswänden in Einkaufszentren, Krankenhäusern, Bürogebäuden und Universitäten verwendet. Dabei geht es nicht ausschließlich um ästhetische Zwecke. Mit bedrucktem Glas kann auch die Menge an Sonnenlicht, die durch die Scheiben fällt, gesteuert und somit Wärme reguliert werden.

Das Dip-Tech Glas kann beispielsweise am internationalen Flughafen von Chicago bestaunt werden, wo das israelische Unternehmen einen 370 Quadratmeter "Vorhang" aus digital bedrucktem Glas entwickelt hat. Außerdem ist das Dip-Tech Glas auf einer Fassade des Harlem Hospital in New York City zu sehen, dessen Gebäude vor einigen Jahren renoviert und mit einer Glaswand dekoriert wurde.

Quelle: http://www.timesofisrael.com/israels-newest-record-worlds-biggest-digital-printer/

Israelisches Start-Up WIX schaltet Werbung beim Superbowl

WIX ist einer Anwendung zum einfach Erstellen von Webseiten, die in Israel jedes Kind kennt und auch in Europa weit verbreitet ist. Um die Bekanntheit von WIX auch in den USA zu steigern, haben die Entwickler des Tools nun einen Werbeclip gebucht in der Werbepause des Super Bowls, also dem Finale der US-Amerikanischen Football-Liga am 1. Februar 2015.

Werbung während des Superbowls erfährt durch die hohen Zuschauerzahlen besonderes Interesse und die gezeigten Werbefilme zeichnen sich in der Regel durch besondere Kreativität aus. Der Clip von WIX soll den Start einer agressiveren Werbekampagne markieren und kostet die junge Firma 4,5 Mio US-Dollar. Details zum Inhalt sind noch nicht bekannt.

WIX wurde 2006 gestartet, hat mittlerweile über 57 Millionen Nutzer und setzt bis zu 600 Millionen US-Dollar um. Auf dem US-Markt ist es jedoch noch fast völlig unbekannt.

Quelle: http://mashable.com/2014/11/12/wix-super-bowl-ad/

GTAI – Ausgewählte Berichte

Israel macht Ernst beim Umweltschutz

Von Wladimir Struminski

Im Jahr 2012 haben die israelische Industrie und Elektrizitätswirtschaft Umweltschutzausgaben in Höhe von 3,1 Mrd. neue Schekel getätigt (NIS, 803 Mio. US$). Das geht aus einer im November 2014 veröffentlichten Erhebung des Zentralamts für Statistik hervor. Dabei entfielen 53% des Umweltschutzaufwands auf Bruttoanlageinvestitionen und 47% auf laufende Ausgaben. In den Jahren 2008-2012 sind die Umweltschutzausgaben der Industrie und der Elektrizitätswirtschaft in laufenden Binnenpreisen um mehr als 20% gestiegen.

Fast die Hälfte der Ausgaben 2012 kam der Reinhaltung der Luft und dem Klimaschutz zugute, während ein Viertel für Abwasserbehandlung bestimmt war. Weitere bedeutende Posten waren Ausgaben für Abfälle und Gefahrstoffe. Die steigenden Umweltschutzausgaben der Industrie und der Stromwirtschaft stellen ein wichtiges Indiz für den wachsenden Umfang des israelischen Marktes für Umwelttechnologie dar. In den vom Zentralamt für Statistik vorgelegten Zahlen sind nur solche Ausgaben enthalten, deren Hauptziel die Verhinderung, die Minderung oder die nachträgliche Behandlung von Umweltschäden ist. Betrieblicher Aufwand, bei dem positive Auswirkungen auf die Umwelt als Nebeneffekt auftreten, wurden bei der Erhebung nicht erfasst.

Die Umweltschutzausgaben konzentrieren sich auf Maschinen und Ausrüstungen, Verbesserung der betrieblichen Verfahren, Mess- und Kontrolltechnik, Sanierung belasteter Stätten, Einrichtung von Umweltmanagementsystemen und die Vergabe externer Aufträge einschließlich Beratung. Damit bietet der industrielle Umweltschutz eine breite Palette von Geschäftsmöglichkeiten. Im Jahr 2012 entfielen nur 13,6% der in den Umweltschutz getätigten Investitionen der Industrie und der Elektrizitätswirtschaft auf präventive Technologie. Daraus wird ersichtlich, dass die ökologische Umstellung der industriellen Tätigkeit in Israel noch einen langen Weg vor sich hat. In den kommenden Jahren werden sich ausländischen Unternehmen, die umweltschonende Industrietechnik anbieten, zahlreiche Geschäftschancen in Israel bieten.

Quelle: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/maerkte,did=1121760.html?channel=alert_channel_gtai_1

Israelische Investoren setzen auf Stromselbstversorgung

Von Wladimir Struminski

Der israelische Elektrizitätssektor bietet das Potenzial für den Bau von mehreren tausend Kraftanlagen zur Stromselbstversorgung. Dabei geht es um Anlagen mit einer Kapazität bis zu 5 MW. Die ersten Projekte dürften 2015 anlaufen. Bis Ende des nächsten Jahrzehnts könnte nach Meinung eines Investors, die Gesamtleistungskapazität der Selbstversorger rund 5.000 MW erreichen.

Stromerzeugungsanlagen für die Selbstversorgung können sich für Betriebe und Einrichtungen lohnen, deren Jahresverbrauch bei mehr als 1 Mio. Neue Schekel liegt. Das hat der Inhaber der israelischen Firma Nofar Energy, Ofer Yannay, im November 2014 gegenüber Germany Trade & Invest erklärt. Nach Yannays Auffassung gibt es in Israel mehrere tausend Strom-Großkunden, für die sich der Gang zur Selbstversorgung lohnen kann.

Die Idee der Selbstversorgung ist nicht neu, doch haben sich bisher vor allem Großunternehmen zur Errichtung eigener, relativ großer Kraftwerke entschlossen. Bei dem jetzt anvisierten Marktsegment aber handelt es sich um den Bau kleinerer Anlagen mit einer Leistungsfähigkeit von bis zu 5 MW. Kraftanlagen unter 5 MW benötigen zwar alle auch sonst für Bauvorhaben erforderlichen behördlichen Genehmigungen, aber keine Stromerzeugungslizenz - sofern der Strom nicht an andere verkauft wird.

Das israelische Engineering-Unternehmen Baran Group und Nofar Energy haben die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens für den Bau von Selbstversorgungsanlagen der Größenkategorie bis 5 MW beschlossen und befinden sich bereits in der Gründungsphase. Neben Baran und Nofar peilen einige weitere Mitbewerber dieses Marktsegment an. Die Anlagen sollen mit Erdgas betrieben werden.

Die Selbstversorgung könnte den Nutzern nennenswerte Einsparungen bieten. Wie Yannay betonte, entfallen beim Selbstversorgungsmodell Kosten des Anschlusses ans Stromnetz, die sonst für Stromtransport und Stromverteilung anfallenden Ausgaben sowie die Gewinnmargen des Elektrizitätserzeugers. Seiner Schätzung zufolge können Selbstversorger mit einem Aufwand von rund 0,25 NIS (knapp 7 US-Cent) pro kWh auskommen, was circa der Hälfte des von der staatlichen Elektrizitätsgesellschaft in Rechnung gestellten Tarifs entspreche.

Unter diesen Umständen glaubt Yannay, dass in Israel bis Ende des nächsten Jahrzehnts, mehrere tausend Selbstversorgungsanlagen entstehen werden. Die Größe der jeweiligen Anlage werde sich am Eigenstrombedarf des Kunden richten, dürfte aber durchschnittlich unter der Obergrenze von 5 MW liegen.

Insgesamt könnte die Leistungsfähigkeit der Selbstversorgungsanlagen in den kommenden anderthalb Jahrzehnten die Größenordnung von 5.000 MW erreichen. Eine solche Leistungsfähigkeit entspricht rund 36% der heute in Israel installierten Gesamtkapazität. Da aber der Strombedarf und die Stromerzeugung schnell steigen, dürften 5.000 MW zum Ende des nächsten Jahrzehnts eher 20% der für diesen Zeitpunkt zu erwartenden Erzeugungskapazität ausmachen. In jedem Fall würde ein Erfolg des Selbstversorgungskonzepts zu Milliardeninvestitionen führen.

Yannay glaubt, dass Stromselbstversorgung für Kunden aus verschiedenen Sektoren und Branchen in Betracht kommt, auch im Dienstleistungssektor. Indessen will sich die Firma im ersten Stadium auf die Errichtung von Kraftanlagen für Industriebetriebe und für Gemeinschaftsdörfer (Kibbuzim) konzentrieren.

Wie aus Zahlen des Zentralamts für Statistik hervorgeht, ist der tertiäre Sektor - Handel und Dienstleistungen - der größte Stromverbraucher des Landes. Nach den jüngsten verfügbaren Angaben entfielen im Jahr 2012 auf Handel und Dienstleistungen 34,3% des Stromverbrauchs, gefolgt von Privathaushalten mit 32,1% und der Industrie mit 28,8%. Der Gesamtstromverbrauch des Landes lag bei 53,7 Mrd. kWh.

Quelle: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/maerkte,did=1132196.html?channel=alert_channel_gtai_1

Wussten Sie, dass ... – Fakten und Zahlen rund um Israel

  • Das israelische Unternehmen White hat ein Gerät erfunden, das verschiedene Mahlzeiten zubereitet, nachdem man zuvor eine Kapsel eingelegt hat, ähnlich einer Espressokapsel. In der Kapsel, die etwas größer als bei einem Kaffeeautomaten ist, sind gefriergetrocknete Zutaten. Die Maschine namens „Genie“ gibt die richtige Menge Wasser dazu und vermengt und kocht die Zutaten. In vielen kleinen Cafés in Israel und weltweit steht Genie schon. Jetzt soll eine Version für Privathaushalte entwickelt werden.

    Quelle: http://goo.gl/vTXDY1

  • Dass der tiefste Punkt der Erde am Toten Meer in Israel liegt, dürfte mittlerweile überall bekannt sein. In Israel befindet sich mit dem See Genezareth aber auch der tiefstgelegene Süßwassersee der Erde. Der größte See Israels wird auf Hebräisch „das Galiläische Meer“ genannt. Allerdings ist nur die obere Schicht des Sees Süßwasser, in der Tiefe ist es salzig.