AHK Newsletter #4 2016

Inhalt

Neues aus der Kammer

Neues aus Israel

GTAI – Ausgewählte Berichte

Wussten Sie, dass...?  Zahlen und Fakten rund um Israel

Liebe Leserinnen und Leser,

Israel ist ein Beispiel dafür, dass ein ressourcenarmes Einwanderungsland großen wirtschaftlichen Erfolg erzielen kann – aber auch dafür, welche Faktoren diesen wieder gefährden könnten. In den letzten Jahrzehnten hat das Land einen blühenden Hightech-Sektor aufgebaut. Doch Schulen und Hochschulen bilden nicht genügend Fachkräfte für technologieintensive, hochqualifizierte Posten aus. Auch die Industrie leidet unter einem Mangel an Facharbeitern. Das bedrohe die langfristige Wirtschaftsentwicklung, warnt Israels Chief-Scientist, bei dem viele Förderprogramme für Hightech-Startups angesiedelt sind. Auch deshalb bemüht sich Israels Regierung, Frauen, Araber und Ultra-Orthodoxe besser in den Hightech-Sektor zu integrieren und ihre Qualifikation zu stärken.

Das Interesse an der Startup-Nation und den Gründen für Israels Erfolg in diesem Bereich unter deutschen Unternehmen und Wirtschaftsförderern ist dennoch ungebrochen. Ende November richtete die AHK Israel erstmals ein einwöchiges Programm für Startups aus Nordrhein-Westfalen im „Silicon Wadi“ aus. Einen Bericht darüber lesen Sie in diesem Newsletter.

Nordrhein-Westfalen und Thüringen haben sich zwischenzeitlich dafür entschieden, an der AHK Israel Technologiescouts zu installieren. Diese sollen Unternehmen aus den entsprechenden Bundesländern dabei unterstützen, Investitionen in israelische Hightech-Startups oder Kooperationen mit solchen anzubahnen. Wir glauben, dass weitere Bundesländer folgen werden.

Aber auch andere Branchen nehmen Israel ins Visier. Wir freuen uns darauf, in diesem Jahr Markterkundungsreisen u.a. zur israelischen Nahrungsmittelindustrie, zur Bodendekontamination und zur Energieffizienzsteigerung in gewerblichen Immobilien und öffentlichen Gebäuden durchführen zu dürfen. Außerdem erwarten wir Wirtschafts-Delegationen aus Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. 2017 wird somit ein weiteres, geschäftiges Jahr für unsere Kammer. 2017 gibt es zudem auch Grund zum Feiern: die AHK Israel und die Deutsch-Israelische Wirtschaftsvereinigung werden 50 Jahre alt. Wir haben dazu einiges geplant und werden darüber im Verlauf des Jahres informieren.

Ein friedliches Weihnachtsfest, ein gesegnetes Hanukkah und ein erfolgreiches Jahr 2017 wünscht Ihnen Ihre AHK Israel.


Tel Avivs größter Weihnachtsbaum steht im arabisch geprägten Stadtteil Jaffa, Foto: AHK Israel

Neues aus der Kammer

Startups aus NRW in Israel: Leadtributor gewinnt die German-Israeli Pitch Night

Wie präsentiere ich meine Unternehmensidee in einem internationalen Umfeld? Worauf achten israelische Investoren bei Startups besonders? Wie komme ich am Besten an Venture Capital oder finde Business-Angel? Zur Beantwortung dieser und weiterer Fragen absolvierten elf Startups aus Nordrhein-Westfalen vom 27.11. bis 01.12. ein intensives Programm in Tel Aviv und Jerusalem.


Jung, männlich, Gründer: Die Teilnehmer der Delegationsreise „Startup Tel Aviv – NRW“, Foto: IHK Dortmund

Die Delegationsreise „Startup Tel Aviv – NRW“ war von der IHK Dortmund initiiert und von NRW.International finanziert worden. Konzipiert und organisiert wurde der Aufenthalt von der AHK Israel unter ihrem Startup-Label BETATEC.


René Pompl (Siemens), Guy Horowitz (Deutsche Telekom Capital Partners) und David Abraham (Bosch Venture Capital) waren begehrte Gesprächspartner, Foto: AHK Israel

Neben Besuchen bei den Venture Capital Fonds Magma und JVP, bei OurCrowd und mit iAngels standen diverse Workshops mit israelischen Gründern und prominenten Vertretern der Startup-Nation auf dem Programm. Dabei erhielten die Startups aus NRW diverse Male die Gelegenheit, sich Investoren und Tech-Scouts zu präsentieren und Kontakte zu knüpfen. Höhepunkt des Programms war die German-Israeli Pitch Night am 29.11. bei Rise, dem Fintech-Hub von Barclays in Tel Aviv.

Dort präsentierten sich die Teilnehmer der Reise gemeinsam mit Startups aus Israel den 150 Besuchern – darunter viele israelische Investoren und  Vertreter multinationaler Unternehmen in Israel, wie Bosch, Siemens oder Audi. Für den besten Elevator-Pitch, der maximal zwei Minuten lang sein durfte, gewann Gerrit Ellerwald für das Düsseldorfer Startup Leadtributor einen Platz auf der AXIS-Konferenz. Damit darf sich Leadtributor am 7. und 8. März in Tel Aviv erneut internationalen Investoren vorstellen.

Die Elevator-Pitches waren zuvor mit Hilfe von Stephanie Cherrin (hub:raum) und Kevin Baxpehler (ProSiebenSat.1 Media) für ein israelisches Publikum optimiert worden. Dabei offenbarten sich den Delegationsteilnehmern auch kulturelle Unterschiede zwischen Deutschen und Israelis, die sich insbesondere in der Art der (Selbst-)Darstellung vor Publikum zeigten.


Volles Haus bei Rise während der German-Israeli Pitch Night, Foto: Uri Ishay

„Was willst du erreichen? Komm zum Punkt! – Das ist überflüssig, streich das! – Vertritt dein Produkt aggressiver!“ – nicht selten wurden die Pitches nach dem schonungslosen Feedback der Mentoren komplett umgestellt. Mancher Gründer hängte gar eine weitere Null an die gewünschte Investitionssumme.


Siegerlachen: Jason Weiss (AXIS) und Gregor Schlosser (BETATEC) freuen sich mit Gerrit Ellerwald (Leadtributor), dem Sieger der Elevator Pitches (v.l.n.r.), Foto: Uri Ishay

Selbst wenn manche Suche nach einem Investor noch nicht von Erfolg gekrönt war, zogen die Teilnehmer und Teilnehmerinnen ein sehr positives Fazit ihres Aufenthaltes in Israel, so z.B. Phillip Jorgensen von Tetrapolitics: „Die Woche war wie eine Meisterklasse über das Startup-Ökosystem Israels und fantastisch organisiert. Ich habe viel gelernt und nehme viele wertvolle Kontakte für mich und mein Startup mit nach Hause.“

Deutsche Experten beeindruckt von israelischer Kompetenz beim Thema Cybersecurity

Mit dem Ziel, einen umfassenden Einblick in die israelische Kompetenz auf dem Gebiet der Cybersecurity zu ermöglichen und damit auch das Bewusstsein für die Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit diesen Themen zu schaffen, organisierten Baden-Württemberg International (bw-i) und die AHK Israel vom 12. bis 16. November 2016 eine Wirtschafts- und Wissenschaftsdelegationsreise nach Israel. Die Mittelmeernation gehört zu den Vorreitern beim Thema Cybersecurity. Aufgrund der geografischen Lage sowie der historisch bedingten politischen Situation des Staates, steht die Sicherheit im Land schon seit Jahrzenten ganz oben auf der Agenda.

Während der Reise konnten die Teilnehmer zahlreiche Anwendungen kennenlernen, so zum Beispiel die Produkte von Cytegic, einer Firma des früheren Inlandsgeheimdienstchefs Carmi Gillon, oder des Unternehmens ICS². Dieses zielt mit seinen Produkten zum Schutz kritischer Infrastrukturen darauf ab, insbesondere die operative Arbeitsumgebung zu schützen und Abweichungen durch die Auswertung aller bereits im laufenden Betrieb generierten Daten rasch sichtbar zu machen.


Die baden-württembergische Delegation vor dem Besuch der vierten Homeland Security & Cyber Konferenz in Tel Aviv, Foto: bw-i

Auch aktuelle Forschungsfelder und -ergebnisse beeindruckten die Delegationsteilnehmer. Einblicke konnten hier bei Gesprächen bei den Telekom Innovation Laboratories an der Ben-Gurion Universität oder dem Fraunhofer SIT Projektzentrum Cybersecurity an der Hebräischen Universität in Jerusalem gewonnen werden.

Die meisten der Delegationsteilnehmer waren zum ersten Mal in Israel und sehr beeindruckt von den im Land ansässigen Unternehmen und den kreativen Denk- und Lösungsansätzen in diesem Themenbereich. Bei vielen wurden die qualitativen wie quantitativen Erwartungen an die angebotenen Termine übertroffen. Durchweg positiv äußerten sich die Teilnehmer auch über den Ansatz, das Thema Cybersecurity sowohl unter dem Forschungsaspekt als auch im Anwendungsfokus kennenlernen zu können.

Zum vollständigen Artikel: http://bit.ly/2fwWWYZ

Erfolgreiche Industrie 4.0-Informationsreise nach Deutschland

Im Rahmen eines von NRW.International finanzierten Projekts fand zwischen dem 6. und dem 10.11.2016 eine von der AHK Israel organisierte Multiplikatorenreise nach Nordrhein-Westfalen (NRW) statt. Sie diente dem Kennenlernen und der intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema Industrie 4.0.

Deutschland nimmt auf diesem Feld, zu dem u.a. die Digitalisierung von Produktionsprozessen zählt, eine führende Rolle ein. Dies gilt sowohl für die dazugehörigen Technologien (z.B. Robotik) und deren ständige Fortentwicklung als auch für die Unternehmenskultur. Teilnehmer der Reise waren israelische Unternehmer, Vertreter von Verbänden und Führungskräfte aus Politik und Verwaltung Israels. Diesen wurden die in Deutschland geschaffenen regulatorischen Anreize, die eingerichteten Innovationszentren und die bereits angewendeten Technologien vorgestellt.  Insbesondere ging es darum, Best-Practice-Beispiele kennenzulernen.

Die Reise wurde durchgeführt mit dem Ziel, langfristig mittels einer Adaption deutscher Modelle, Technologien und Produkte eine Effizienz- und Ertragssteigerung der israelischen Industrie herbeizuführen. Ohne diese wird Israel im internationalen Wettbewerb nicht bestehen können.


Intensiver Austausch: Die Delegation interessierte sich für technische und organisatorische Aspekte der SmartFactory OWL, Foto: SmartFactory OWL

Neben dem Besuch der SmartFactory der Fachhochschule OWL in Lemgo standen auch Termine bei Unternehmen auf dem Programm, die in NRW bereits beispielhaft modernste Produktionstechnologien einsetzen oder deren Produktionsanlagen bereits komplett vernetzt sind. Die Vorteile, aber auch die Herausforderungen solcher Technologien wurden von den israelischen Teilnehmerinnen und Teilnehmern intensiv diskutiert.

Als ein Ergebnis der Reise wurde festgehalten, dass die Digitalisierung eines Betriebes kein Mittel zur Rettung schlecht laufender Unternehmen ist. Es gilt im Gegenteil, dass ein Betrieb hochprofessionell geführt sein muss, damit eine Digitalisierung erfolgversprechend durchgeführt werden kann.

Neues aus Israel

Mehr israelische Startups in der Automobilindustrie des 21. Jahrhunderts

Die Automobilindustrie verändert sich rasant. Je stärker Autos zu „connected cars“ werden und z.B. gegen Cyberangriffe geschützt werden müssen, desto interessanter wird der Entwicklungsstandort Israel auch für Autobauer. Bei den Themen autonomes Fahren, Elektromobilität und vernetzte Fahrzeuge steht die „Startup-Nation“ dem Silicon Valley in nichts nach. 500 israelische Jungunternehmen arbeiten mittlerweile direkt oder indirekt an Innovationen für die Automobilindustrie. Auf diese Zahl kommt eine Mitte Dezember veröffentlichte Studie von Roland Berger und dem Israel Export Institut.

"Die israelische Auto- und Smart-Mobility-Industrie entwickelt sich im Bereich E-Mobilität, selbstfahrende Autos und Smart Mobility zum Innovationslabor der weltweiten Automobilbranche", sagt Wolfgang Bernhart, Partner von Roland Berger. "Vor dem Hintergrund der Trends und Entwicklungen, die wir weltweit in der Branche beobachten, sollten Autohersteller das Land, seine Talente und deren Ideen im Blick behalten."


Das bekannteste israelische Automobilunternehmen baut keine Autos, sondern verhindert Kollisionen

Denn die Auto- und Mobilitätsbranche wird sich in den kommenden zehn Jahren weltweit stark verändern - getrieben von der technischen Entwicklung genauso wie von regulatorischen Auflagen und den Veränderungen des Nutzerverhaltens. "Dieser Umbruch eröffnet neuen Anbietern und Geschäftsmodellen die Chance, mit ihren Lösungen in den Markt zu kommen", sagt Bernhart. "Und gerade in Israel gibt es hierfür ein besonders großes Potenzial."

Quelle (mit Link zur Studie): http://www.presseportal.de/pm/32053/3510661

Gasbohrungen im Feld „Leviathan“ sollen im 1. Quartal 2017 starten

Noble Energy, eines der Unternehmen aus dem Konsortium, das mit der Gewinnung des israelischen Offshore-Gases aus dem Feld Leviathan beauftragt ist, hat den Start der Bohrungen für das erste Quartal 2017 in Aussicht gestellt. Die dafür notwendigen Bankgarantien und Genehmigungen seien erteilt, so ein Unternehmenssprecher. Damit sei man voll im Fahrplan, der den Beginn der Gasförderungenbis spästestens Ende 2019 vorsieht.

Quelle: Globes, bit.ly/2hlZJ8b

CurrencyTransfer sagt Wechselgebühren und versteckten Kosten den Kampf an

Von Banken diktierte Wechselkurse und versteckte Gebühren bei Auslandsüberweisungen sollen Dank des israelisch-britischen FinTech-Unternehmens CurrencyTransfer der Vergangenheit angehören. Das Startup betreibt eine Online-Plattform, über die weltweit die besten Kurse für über 40 Sorten abgefragt werden. Kunden der Plattform, die sich hauptsächlich an Unternehmen wendet, entscheiden selbst, wann und zu welchem Kurs sie eine Überweisung in eine fremde Währung vornehmen. Je flexibler der Zeitraum, desto höher kann die Ersparnis zum Wechselkurs der Hausbank ausfallen. Bis zu 90% der zum Teil im Wechselkurs versteckten Gebühren ließen sich so sparen, verspricht CurrencyTransfer. Im Schnitt seien die auf der Plattform angebotenen Wechselkurse 1% besser als bei Banken.


Ähnlich wie beim Handel mit Aktien lassen sich bei CurrencyTransfer auch automatische Preisziele für Auslandsüberweisungen einrichten.

So werden Überweisungen immer zum bestmöglichen Wechselkurs durchgeführt, egal ob Zahlungen an ausländische Zulieferer, Auslandsmieten oder Gehaltszahlungen an Mitarbeiter im Ausland.

Webseite: https://www.currencytransfer.com/

GTAI – Ausgewählte Berichte

Von Wladimir Struminski

Israel will 14 Mrd. US$ in Bus- und Straßenbahnnetz investieren

Israel will 2017 bis 2024 umgerechnet rund 14 Mrd. US$ in den Ausbau des Bus- und Straßenbahnnetzes investieren. Auf diesen Wert schätzt das israelische Finanzministerium die von der Regierung beschlossenen Projekte - zum Teil solche, die im Gestrüpp der Bürokratie hängengeblieben sind. Die meisten Vorhaben sollen im Rahmen von öffentlich-privaten Partnerschaften durchgeführt werden. Westlichen Unternehmen bieten sich Chancen zum Engagement.

Zum vollständigen Artikel: bit.ly/2hQb1oo

Unternehmen in Israel geben viel Geld für digitale Werbung aus

Bis Ende des Jahrzehnts dürfte das Internet in Israel das Fernsehen als wichtigsten Werbeträger einholen. Das glaubt die auf Werbewirtschaftsanalysen spezialisierte israelische Firma Yifat Advertising Monitoring. Obwohl das Internet 2015 bereits den zweiten Rang der Werbeträgerliste erklommen hat und damit keine "infant industry" mehr ist, wächst es nach wie vor rapide. Vor allem für viele junge Menschen spielt die nichtdigitale Werbung kaum noch eine Rolle.

Zum vollständigen Artikel: bit.ly/2i59rzC

Israels Bauwirtschaft erwartet Boom im Wohnungsbau

Die israelische Regierung kurbelt den Wohnungsbau kräftig an. Allerdings nimmt dieser Vorgang längere Zeit in Anspruch, sodass die Baustatistik 2016 noch keinen Durchbruch vorweisen kann. Für deutsche Unternehmen ergeben sich aus dem forcierten Wohnungsbau Lieferchancen. Einige ausländische Firmen werden auch selbst in Israel bauen. Ein wichtiges Ziel ist der verstärkte Einsatz industrieller Bauweise. Demgegenüber bleibt ein Boom im Wirtschafts- und Infrastrukturbau aus.

Zum vollständigen Artikel: bit.ly/2i55Di3

Wussten Sie, dass? Fakten und Zahlen rund um Israel

  • Wussten Sie, dass in Israel medizinisches Marihuana für bestimmte Therapiezwecke zugelassen ist und sich um „Gras“ eine florierende Industrie entwickelt hat? Auch viele wissenschaftliche Studien zu dessen medizinischen Nutzen stammen von israelischen Universitäten und aus israelischen Kliniken.

    Quelle: NoCamels, http://bit.ly/2gsiBG8
  • Wussten Sie, dass israelische Forscher künstliche Knochen aus Korallen züchten? Die Knochen kommen insbesondere als Kieferimplantate zur Anwendung und haben vor Kurzem auch die Zulassung innerhalb der EU erhalten.

    Quelle: Israel21c, http://bit.ly/2hhb4tU
  • Wussten Sie, dass Israel zweimal im Jahr von über 500 Millionen Vögeln überflogen wird, da es auf der wichtigsten Route für Zugvögel zwischen Afrika, Asien und Europa liegt? Wegen der im Schnitt steigenden Temperaturen überwintern viele Zugvögel mittlerweile sogar in Israel.

    Quelle: Times of Israel, http://bit.ly/2ib0UHF